Downsizing auf Schwedisch – Volvo XC60 und S60 Drive-E

10.10.2013 | Christian Sauer | Testrides

Volvo XC60 S60 Drive-E Drivers Club Germany

Volvo verspricht mit der neuen Motorengeneration Drive-E sensationelle Verbrauchs- und Emissionswerte – wir konnten die überarbeiteten XC60 und S60 samt neuen Motoren bereits im Hinterland der Côte d’Azur testen. Hier der Fahrbericht unseres Chefredakteurs Christian Sauer.

Vorbei die Zeiten, in denen die Volvo-Flotte durch großvolumige Acht-, Sechs- und Fünfzylinder befeuert wurde. Wie die meisten Hersteller können sich auch die Schweden nicht dem Trend zum Downsizing widersetzen. Doch im Land der Elche geht man gleich einen Schritt weiter und setzt ausschließlich auf vier Zylinder – zumindest in den großen Baureihen –, der kompakte C30 muss sich zukünftig sogar mit „nur“ drei Zylindern begnügen. Bis dahin wird es aber noch etwas dauern, ebenso bis die neuen Vierzylinder-Aggregate mit zwei Litern Hubraum und 181 bis 306 PS durch Turbo oder kombinierter Turbo-Kompressor-Aufladung in allen Modellen Einzug halten. Den Anfang macht ab Jahresende die 60er-Baureihe. Der sehr gefragte V60 Plug-In-Hybrid wird aber erst später von den neuen Motoren profitieren, ebenso die Oberklassemodelle V70 und der S80. Dafür startet die Neuauflage des XC90 nächstes Jahr direkt mit Drive-E.

Zu unserem ersten Testkandidaten, dem XC60. Wie bei den eng miteinander verwandten Kombi- und Limousinen-Versionen wurden auch das Exterieur und Interieur des SUV verjüngt. Volvo selbst spricht von der „umfangreichsten Modellüberarbeitung“ überhaupt. Doch in Deutschland werden die Veränderungen wahrscheinlich weniger auffallen als im Heimatland Schweden oder in den USA als wichtigem Markt. Warum? Die Chance, hierzulande einem Volvo auf der Straße zu begegnen, ist bei einem Marktanteil von rund einem Prozent relativ gering. Ein Volvo ist eben ein Auto für Individualisten, und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern, schließlich sind die vergleichbaren Konkurrenzmodelle von Audi, BMW und Mercedes-Benz oftmals sogar einige Euro günstiger. Der Einstieg in die 60er Welt von Volvo beginnt bei 33.750 Euro für den S60 D4 mit 181 Diesel-PS. Am anderen Ende der Preisliste liegt der XC60 T6 mit 306 PS bei mindestens 46.250 Euro.

Dafür stimmt die Qualität, und ein neues Infotainmentsystem samt Apps und Internetanschluss soll den technologischen Rückstand wiedergutmachen. Unser Test eines Prototypen konnte den hohen Anspruch allerdings noch nicht ganz erfüllen. In Sachen Sicherheit ist Volvo dagegen schon immer ganz vorn mit dabei und erledigt seine Hausaufgaben stets vorbildlich. Beispielsweise erkennen die Sensoren nun auch Radfahrer voraus und sich schnell nährende Fahrzeuge beim Rückwärtsausparken. Volvo schafft es immer wieder aufs Neue, ebenso sichere wie komfortable Autos zu bauen. Wer sich eine ausgeprägte Fahrdynamik und noch mehr Sportlichkeit wünscht, findet die in Form der R-Design-Ausstattungen. Erfreulich finden wir, dass diese ebenfalls mit den neuen, bei mehr Leistungen deutlich sparsameren Motoren angeboten werden – so schließt das eine das andere nicht aus. Der von uns getestete Top-Benziner T6 fliegt regelrecht die Bergstraßen hinauf. Der Vorderradantrieb scheint mit den 400 Nm Drehmoment aber fast überfordert und bei vollem Leistungseinsatz aus Kurven heraus, sind störende Lenkungseinflüsse spürbar.