Dominator Ilumen 28M „Mini-Superyacht“

27.07.2017 | Christian Sauer | Lifestyle, Testrides

Mit einer spektakulären Show wurde im Monaco Yacht Club die Premiere der mit Spannung erwarteten 28-Meter-Yacht gefeiert. Das außergewöhnliche Design mit überdurchschnittlich viel Platz und technischen Raffinessen soll für die österreichisch-italienische Werft zugleich ein Comeback und einen Neuanfang einläuten.

Aufwendiger könnte die Präsentation kaum sein: Vor der einmaligen Kulisse des Yacht Club de Monaco verwehrt ein riesiger Kran samt schwarzem Vorhang den Blick auf das, woran in den letzten fünf Jahren mehr als 10.000 Stunden gearbeitet wurde. Getreu dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“ fällt der Vorhang untermalt von bombastischer Musik und Pyrotechnik. Erstmals erstrahlt die Dominator Ilumen 28M im Licht der Öffentlichkeit. Damit nicht genug, als die letzten Sonnenstrahlen des Tages den Port Hercule verlassen, beginnt das Abendprogramm mit der neuen Yacht als Bühne für Akrobaten, Musikern und Tänzern. Ein solches Event leisten sich – wenn überhaupt – nur Branchenriesen wie die Azimut-Benetti- oder die Ferretti-Gruppe mit ihren weltweit bekannten Marken. Mit diesem enormen Aufwand überrascht die relativ kleine Dominator-Werft neben bisherigen Kunden und Journalisten auch zahlreiche Schaulustige, von denen in Monaco ja durchaus potentielle Interessenten sein könnten.

Doch die aufwendige Inszenierung hätte es eigentlich gar nicht benötigt. Schließlich fällt die erste Vertreterin von Dominators neuer Ilumen-Serie mit dem Namen „Kalliente“ trotz 28 zwischen den zumeist deutlich größeren Formaten in Monaco auf den ersten Blick auf. Der 6,72 Meter breite Rumpf und die hohen Aufbauten versprechen ein enormes Raumangebot. In Verbindung mit dem dabei dynamischen Design von Alberto Mancini samt großflächigen Glaselementen stellt sie allerdings einen attraktiven Gegenentwurf zu den ebenso voluminösen Explorern ähnlicher Länge dar. Viele davon werden trotz ihren Fähigkeiten für weltweite Fahrten wohl nie das Mittelmeer verlassen. Dort wird auch der US-amerikanische Eigner und seine Gattin überwiegend steuern. Und das ist wortwörtlich gemeint, schließlich will der erfolgreiche Anwalt und zudem Besitzer zweier Hotels an der Côte d’Azur und auf Mallorca dem Kapitän und seiner vier- bis fünfköpfigen Crew auf der Flybridge möglichst oft das Ruder aus der Hand nehmen. „Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal eine Yacht, aber eigentlich nicht genügend Zeit dafür. Jetzt kann ich es genießen und freue mich auf Törns im Mittelmeer“, so der Eigner.

Dabei drohte das ehrgeizige Projekt zwischenzeitlich zu scheitern: Nach seinen ersten Gesprächen mit Werft-Besitzer Dr. August Wolfgang Pernsteiner – erfolgreicher Unternehmer aus Österreich und seines Zeichens selbst Besitzer einer Dominator – der die Werft 2010 in wirtschaftlich schwierigen Zeiten übernommen hatte, gab es persönliche Diskrepanzen der Anwälte beider Seiten. Glücklicherweise wurden die direkten Verhandlungen zielorientiert wieder aufgenommen und nach einer intensiven Zusammenarbeit von Erfolg gekrönt. In dem aufwendigen Prozess der Konzeption einer komplett neuen Modelllinie band Pernsteiner seine gesamte Familie, insbesondere seine Tochter Angela aktiv ein. Nach ihrem erfolgreichen Studium in der Schweiz und Lichtenstein kümmert sich die 29-Jährige federführend um die Vermarktung der Ilumen. Wie erfolgreich dies läuft, zeigen die Bestellungen. Die nächsten zwei Exemplare entstehen bereits in der Dominator-Werft in Fano an der italienischen Adria. Weitere Verkäufe konnten schon besiegelt werden, was die Kapazität von zwei bis drei Stapelläufen pro Jahr gut auslastet. Doch was hat die Interessenten überzeugt?

Zum einen ist es sicherlich das bereits erwähnte, überdurchschnittliche Platzangebot und Volumen des Dreideckers bei der überschaubaren Länge. Zum anderen war der hohe Grad der Individualisierungsmöglichkeiten immer ein Markenzeichen von Dominator und in diesem Segment ein Alleinstellungsmerkmal, das ansonsten bekanntlich nur größere Yachten bieten. Dies setzt die Ilumen-Reihe fort und bietet noch mehr. So lässt sich beispielsweise das Unterdeck flexibel gestalten: Layout-Optionen von lediglich zwei sehr großen Kabinen, über eine Drei-Kabinen-Variante bis hin zu vier Kabinen wie auf „Kalliente“ sind verfügbar. Auf dem Hauptdeck lebt der Eigner sehr großzügig mit Blick voraus und „eigenem Deck“ wenige Stufen höher. Auf größeren Yachten sind persönliche Freiluftareale ohne Umweg schon lange keine Seltenheit mehr, bei unter 30 Metern jedoch ein Unikum. Zudem wird der Panorama-Meerblick mit per Knopfdruck tönenden Glasscheiben sowie durch ein Glasschiebedach ergänzt. Die Steuerung der Verdunklung, des Lichts sowie des integrierten Audio-Video-Systems per iPad steuerten die Experten von Videoworks bei. Während in den Gästekabinen „unsichtbare“, direkt an die Deckenverkleidung gekoppelte Lautsprecher zum Einsatz kommen, werden so aufwendige Surroundsound-Systems wie in der Eigner-Kabine der Dominator ansonsten zumeist nur auf über 50 Metern Länge verbaut.

Dank des Semi-Custom-Konzepts lässt sich zusätzlich zu den edlen Materialien und geschmackvoll abgestimmten Farben – bei „Kalliente“ einladend hell und zeitlos modern – hier ebenfalls das Layout individualisieren. Wer eine noch größere Eignerkabine mit weiterem Lebens- und Stauraum wünscht, kann sie auf Kosten der Galley weiter verlängern. Wem der achtern anschließende Salon mit wohnlicher Atmosphäre mit der ebenso ansehnlichen wie praktischen Bar noch nicht lichtdurchflutet genug erscheint, kann auch bei Dominator die immer beliebteren gläsernen Seitentüren und herunterklappbaren Seitenverschanzungen ordern. Auf das „Must-Have“ einer Tendergarage im Heck muss ebenfalls nicht verzichtet werden. Dort wird ein maximal 3,85 Meter langes Beiboot und daneben ein Jetski verstaut. Besonders erwähnenswert finden wir hingegen, dass die Badeplattform nicht nur die Garage verschließt, sondern außerdem zum Teil herausklappen und inklusive Treppe über oder unter die Wasseroberfläche geschwenkt werden kann. Ein weiteres Badevergnügen verspricht der Whirlpool auf der 55 Quadratmeter großen Flybridge. Während das Schatten spendende Hardtop zum Standardequipment und Designkonzept gehört, gibt es das darin integrierte elektrische Sonnenverdeck als reizvolle Option. Vor den großzügigen Liege-, Sitz- und Essmöglichkeiten thront der Außensteuerstand, der auf halber Höhe durch sein im klimatisierten Inneren gelegenen Derivat ergänzt wird.

Von hier werden die zwei je 1.200 PS starken MAN V8 dirigiert, die bei „Kalliente“ mit drehbaren Antriebgondeln gekoppelt sind. Alternativ zum Fortjes-Podsystem ist aber auch ein Wellenantrieb bestellbar, der wiederum als innovativer Hybridantrieb ausgelegt werden kann. Bis dato konnte die Pernsteiner-Familie allerdings noch keinen Interessenten davon überzeugen. Sogar an einer rein elektrisch angetriebenen Variante der Ilumen wird gearbeitet. Bereits jetzt setzt Dominator einen Gyro-Stabilisator von Seekeeper effektiv gegen Rollbewegungen ein. Zusätzlich soll die Humphree Active Ride Control für Stabilität bei Geschwindigkeiten bis 21 Knoten sorgen. Bei 10 Knoten beträgt die Reichweite 1.700 Meilen. Möglich macht es der aufwendig konstruierte Rumpf mit 1,30 Meter Tiefgang, der wie die Aufbauten dank der Kombination von Epoxyharz und Kohlefasern gewichtssparend und zugleich robust wurde. Der spezielle Wulstbug garantiert sowohl in Halbverdränger- als auch in Halbgleiter-Phasen außergewöhnlich gute Widerstandswerte und Komfort auf hoher See – egal bei welcher Geschwindigkeit und bei welchen Wetterbedingungen. Solche Finessen unterstreichen den hohen Anspruch der Ilumen. Das hat natürlich seinen Preis, der per se mit rund sieben Millionen Euro (netto) für 28 Meter Länge relativ hoch ausfällt. Auch wenn wir uns wiederholen, muss dieser allerdings mit dem längerer Yachten verglichen werden. Dominator selbst plant noch größere Varianten mit über 30 Metern. Wir sind gespannt und voller Vorfreude.