Cupra Leon VZ

08.05.2022 | Christian Sauer | Testrides

Ob Seat Cupra oder „nur“ Cupra – mit 300 PS ist der Leon VZ gleichauf mit dem Golf GTI Clubsport – oder sogar besser? Auf jeden Fall hält der spanische Bruder in unserem Fahrbericht einige Besonderheiten parat.

Bei „Volkssportler“ oder Kompaktsportler fällt vielen zuerst GTI ein – kein Wunder, hat der VW Golf GTI im Jahr 1975 dieses Segment quasi gegründet. Inzwischen gibt es bekanntlich von vielen Herstellern zahlreiche Sportmodelle oder gar eigene, „neue“ Submarken wie Cupra. Dabei blicken zumindest die Cupra-Versionen vom Seat Ibiza und Leon inzwischen auf eine lange Tradition zurück. So kam 2001 der erste Leon Cupra – Abkürzung für Cup Racing – sogar mit einem 204 PS starkem 2,8-Liter-V6 und Allradantrieb auf den Markt.

Anders als das aktuelle Cupra-Topmodell Formentor VZ5 mit 390-PS-Fünfzylinder muss sich unser Leon VZ mit vier Zylindern, zwei Liter Hubraum, 300 PS und Frontantrieb begnügen. Kurios: Als Sportstourer (Kombi) gibt es den Leon VZ auch mit 310 PS und Allrad – jedoch nicht für den „normalen“ Fünftürer. Abgesehen vom Cupra Leon als Plug-in-Hybrid mit 204 oder 245 PS Systemleistung und 6-Gang-DSG setzen alle reinen Benzinversionen auf ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit kleinem Wahlschalter in der Mittelkonsole und leider recht kurzen Schaltpaddel am Lenkrad. Handschaltung gibt es nicht mehr!

Ob nun mit 300 oder 310 PS und jeweils 400 Nm Drehmoment ab 2000 Touren die Fahrleistungen können sich sehen lassen. Der etwas stärkere Sportstourer knackt vor allem dank Allrad mit 4,9 Sekunden die 5-Sekunden-Marke für den Standardsprint, die unser Testwagen mit Frontantrieb und 5,7 Sekunden verpasst. Abgeriegelt schafft der Cupra Leon als reiner Benziner so oder so 250 km/h. WLTP-Verbräuche über sieben Liter sollten eingeplant werden, wobei wer sich für 300 PS oder mehr entscheidet, das wohl sowieso tut.

Dafür bekommt man vor allem dank den vielen Einstellmöglichkeiten inklusive DCC-Dämpferkontrolle einen alltagstauglichen Kompakten mit ordentlichem Komfort bei zugleich hohem Spaßfaktor. Während wir auf Pirelli-Winterreifen nicht sein ganzes Potential auskosten konnten, legte der Cupra Leon VZ bei anderen Tests beeindruckende Rundenzeiten hin und ließ sogar den technisch eng verwandten Golf GTI Clubsport hinter sich. Emotional und fahrdynamisch beeindruckt am meisten der Cupra-Modus mit dem sportlichsten Setup. Die Lenkung reagiert dann richtig schön direkt, die Gänge wechseln unterbrechungsfrei und die Gasannahme folgt unmittelbar jeder Fußbewegung.

Der Sound des bekannten Vierzylinders mit zwei Liter Hubraum, der sich in drei Stufen einstellen lässt, macht vor allem innen viel Eindruck. Doch auch die Außenwelt wird im Cupra-Modus unterhalten mit kräftigem Brummen, Röhren beim Hochdrehen und beim Herunterschalten mit Back Fire aus den vier Auspuffrohren zwischen dem Diffusor. Neben dunklen Details ist es der Cupra-typische Kupferfarbton, der in Form des eigenständigen Logos und den auffälligen Felgen die stärksten Leons vom Seat Leon abheben. Serienmäßig sind 18-Zöller mit 225er Bereifung – unsere 19 Zoll großen „Exclusive Aero I Black/Cooper“ sind Option ab Werk.

Extra muss auch das unten abgeflachte „Supersport-Multifunktionslenkrad“ unseres Testwagens bestellt werden. Aufpassen sollten alle, die „richtige Schalensitze“ haben möchten. „Supersport-Schalensitze“ heißen sie als Bestandteil der VZ-Cup-Ausstattung und sind dafür ohne Aufpreis bestellbar, während sie sich in unserem VZ-Testwagen (ohne Cup) „Sportschalensitze“ nennen. Schon diese sind mit gutem Seitenhalt gesegnet und zugleich für lange Fahrten geeignet. Elektrische Verstellung gibt es gegen Aufpreis ebenso wie schwarzes oder petrolblaues Leder, aber leider keine herausziehbare Beinauflage oder Belüftung.

Wo wir gerade bei den Kritikpunkten sind, findet sich im Cockpit und in den Türen leider teils billig wirkendes Hartplastik. Das mindert den optisch ansprechenden Gesamteindruck mit ebenfalls kupferfarbenen Details und bekanntem Infotainment aus dem VW-Konzern. Das Platzangebot ist in der ersten und zweiten Reihe für die kompakten Abmessungen großzügig. Mit 380 bis 1301 Liter liegt der Kofferraum im Klassenschnitt.

Preislich startet der Cupra Leon VZ anders als bei der gezeigten Ausstattungsliste inzwischen bei 41.290 Euro – kein Schnäppchen – aber immerhin knapp 2.000 Euro günstiger als der eng verwandte GTI Clubsport. Abgesehen vom Preis bleibt es also eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Images. Wer sich nicht an den Cupra-typischen, kupferfarbigen Designdetails stört, bekommt mindestens eine gleichwertige Alternative zum GTI Clubsport, womöglich sogar noch individueller und somit subjektiv besser. Schade finden wir allerdings, dass der Allradantrieb und die zusätzlichen 10 PS allein dem Cupra Leon VZ Sportstourer vorbehalten sind.