Cupra Born

20.07.2022 | Christian Sauer | Testrides

Sieht der spanische Bruder vom VW ID.3 „nur“ sportlicher aus oder fährt er sich auch so? Wir testen es!

Wem der VW ID.3 zu „langweilig“ ist, findet mit dem Cupra Born eine attraktive Alternative mit (nahezu) gleicher Technik. Passend zum emotionalen Charakter der spanischen Konzernmarke sieht der Born deutlich aggressiver und dynamischer als sein deutsches Pendant aus. Richtig „böse“ wirken die schmalen Voll-LED-Scheinwerfer in Verbindung mit dem großen Kühlergrill, der natürlich nur angedeutet ist. Die markentypischen, kupferfarbenen Dekorelemente setzen sich seitlich unter anderem an der C-Säule fort. Unser Testwagen steht auf den optionalen 20-Zoll-Felgen „Blizzard“ mit 215er Bereifung. Serienmäßig sind 18-Zöller. Auch das Heck des Cupra Born unterscheidet sich deutlich vom VW ID.3. Während beide sich den gleichen Dachspoiler teilen, fallen die Rückleuchten des Spaniers mit durchgängigen Lichtband mehr auf. Sportlicher finden wir zudem den unteren Bereich mit angedeutetem Heckdiffusor.

Auch das Interieur des Cupra Born wirkt im Vergleich zum ID.3 sportlicher, individueller und emotionaler – zumindest mit einigen Extras. Serienmäßig sind die „Sportschalensitze“ mit gutem Seitenhalt und ausziehbarer Beinauflage, worauf leider bei vielen Sportsitzen verzichtet wird. In unserem Fall sind sie mit grauem Dinamica (vergleichbar Alcantara) bezogen. Das gleichnamige Options-Paket veredelt zudem Teile des Armaturenbretts. Auch innen zieht Cupra die kupferfarbenen Elemente durch – bis hinunter zu den schicken Fußmatten. Positiv finden wir außerdem, dass viele Materialien recycelt sind und große Ablagen zwischen den Vordersitzen viel Platz selbst für große Flaschen bieten. Bevor wir uns dem digitalen Cockpit widmen, rutschen wir zuvor in die zweite Reihe, die bei 4,32 m Wagenlänge von dem vergleichsweise großen Radstand profitiert und zwei Erwachsenen ausreichend Platz bietet. Gleiches gilt für den 385 Liter fassenden Kofferraum.

Unter der „Motorhaube“ vorn wartet übrigens nicht wie bei vielen anderen E-Autos ein zusätzliches Staufach zum Beispiel für das Ladekabel, sondern viel Technik. Daran hat Cupra auch nicht im Cockpit gespart, wo zuerst der aus dem VW-Konzern inzwischen bekannte 12-Zoll-Touchscreen des Infotainment-Systems ins Auge sticht. Ins direkte Blickfeld projiziert das Head-up-Display mit Augmented Reality farbige Richtungspfeile des Navis und die wichtigsten Fahrdaten. Noch etwas gewöhnungsbedürftig finden wir das direkt hinter dem Lenkrad installierte 5,3-Zoll-Display mit den digitalen Instrumenten und vor allem die damit verbundene Bedieneinheit des Automatikgetriebes wie in den ID-Modellen von VW. Darüber lässt sich auch einstellen, ob der Cupra Born eher „segeln“ und ohne Gas möglichst lange / weit ausrollen soll oder ob „Rekuperation“ mit stärkerer „Motorbremse“ gerade besser passt.

Zusätzlich bietet das 12-Zoll-Display die Wahl zwischen den Fahrprogramme Range, Comfort, Performance sowie Individual mit separatem Setup von Lenkung, Motor, Distanzregelung ACC und Klimatisierung. Unser Testwagen war nicht mit den adaptiven DCC-Fahrwerk ausgestattet und per serienmäßigen Tieferlegung hinterlässt dennoch einen sportlichen, aber nicht unkomfortablen Eindruck. Mit offiziell 1.736 kg Leergewicht ist er zwar kein Leichtgewicht. Dank 50:50 Gewichtsverteilung, dem niedrigen Schwerpunkt, der Progressivlenkung und Heckantrieb (!) macht der Born auf kurvigen Landstraßen aber richtig Spaß. 7,3 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 für die von uns getestete Version mit 150 kW / 204 PS erscheinen vielleicht nicht so beeindruckend, aber gerade auf den ersten Metern ist die Beschleunigung des Stromers schon imposant. An Steigungen oder auf der Autobahn ist der Durchzug weniger atemberaubend. Wer mehr Power möchte, muss eine der beiden e-Boost-Versionen mit 170 kW / 231 bestellen. Dass alle

Cupra Born bei 160 km/h zwangsläufig die Höchstgeschwindigkeit erreichen und abgeriegelt werden, gefällt wahrscheinlich nicht allen. Das eingebaute Tempolimit hilft natürlich Strom zu sparen und die Reichweite zu vergrößern. In unserem Fall sollen der Lithium-Ionen-Akku mit 58 kWh Kapazität bis zu 424 nach WLTP-Standard ermöglichen. Mit 77 kWh Akkus sollen beim e-Boot bis zu 540 km machbar sein und an einer 170-kW-Ladesäule in nur sieben Minuten 100 km Reichweite nachgetankt werden können. Die Realität sieht bekanntlich oft anders aus und hängt von vielen Faktoren ab. Zu 100 % vollgeladen, was zu Gunsten der Langlebigkeit der Batterien nicht zu oft gemacht werden sollte, standen bei uns knapp 300 km auf dem Display. Ob der Cupra Born damit für Langstrecken prädestiniert ist, muss jeder selbst beurteilen. Mit seinem Grundpreis von 37.220 Euro ist das im VW-Werk in Zwickau gebaute E-Auto auf jeden Fall ein attraktives Gesamtpaket. Unser Testwagen kostet 46.767 Euro und die e-Boost-Versionen, gerade mit größeren Batterien noch teurer, wenn auch sportlicher und ausdauernder. Ein halbwegs vergleichbarer VW ID.3 kostet übrigens einiges mehr.