Classic Days Schloss Dyck 2019 – Teil 3 – Ford Capri

08.08.2019 | Karoline Jacob | Lifestyle, Testrides

Den 50. Geburtstag des „Volkssportlers“ feierten seine Fans zusammen mit den Ford Werken und uns von Drivers Club Germany mit einer Parade bei den diesjährigen Classic Days auf Schloss Dyck. Doch unsere Fahrt begann schon früher an einem anderen Ort.

Es ist noch ruhig an diesem Samstagmorgen um halb neun auf dem Ford-Werksgelände in Köln. Wo an anderen Tagen die Mitarbeiter durch Tor 3 strömen, herrscht gähnende Leere. Doch dann biegen mehr als ein Dutzend farbenfrohe Coupés und Cabrios in die Henry-Ford-Straße ein. Ihr Ziel ist auch unsers – die Hallen der Klassikabteilung unweit des Werktors. Hier sind wir von Drivers Club Germany doch schon einmal gewesen, genau vor fünf Jahren, damals zum 50. Geburtstag des Mustangs. Und dessen Erfolg ebnete in den 1960er Jahren auch den Weg für seinen kleinen, europäischen Bruder – dem Capri. Wie sein amerikanisches Vorbild sollte er ein bezahlbarer Sportwagen mit möglichst guter Alltagstauglichkeit sein und er wurde es!

Wie sich der Capri von 1969 bis zu seiner Einstellung 1986 entwickelte, zeigt das sich vor uns aufreihende Line-up sehr schön. Aus ganz Deutschland kamen die stolzen Besitzer des Capri Club Deutschland mit ihren Cabrios und noch mehr Coupés. Die Atmosphäre ist herzlich, entspannt und persönlich. Nach dem immer wieder interessanten Rundgang durch die Hallen von Ford Classic Cars und dem stärkenden Frühstück stehen wir vor der Wahl des Capris, in dem wir nach Schloss Dyck fahren möchten. Wir entscheiden uns für den 1972er Capri 2300 GT von Ralf Geisler aus der Nähe von Duisburg.  

„Das formvollendete Design und die typischen lebhaften Farben haben es mir einfach angetan“, erklärt der Oldtimer-Fan, der vor rund 30 Jahren begann, sich der Restaurierung seiner Traumautos zu widmen. Der seltene Ford fehlte jedoch lange Zeit in seiner Sammlung. Doch Anfang der 1990er Jahre bot sich Ralf die Gelegenheit und er griff zu. „Ich fand zwei Capri GT, beide Baujahr 1972, beide mit dem 2,3 Liter großen V6 und Handschaltung. Leider hatte einer der „Coupé-Zwillinge“ bereits einige Bastelsünden davongetragen, doch der andere war weitestgehend original. Für 1.500 D-Mark musste ich nicht lange überlegen“, erklärt der heute 54-Jährige. „Das Design und der Sechszylinder faszinierten mich. Außerdem ist der Capri das wohl bekannteste Sportcoupé der 70er – also genau mein Auto!“ Der Plan war klar: Aus zwei mach eins, der „Bastel-Capri“ sollte als „Organspender“ dienen. Die „Operation“ fand aus Zeitgründen jedoch erst 2002 statt.

„Beide Autos waren komplett zerlegt und insbesondere bei der Karosserie stieß ich auf der Suche nach Ersatzteilen schnell an meine Grenze. Diese Mammutaufgabe hätte ich ohne die Hilfe des Capri Club Deutschland so nicht bewältigen können“, betont Ralf. Mit viel Liebe zum Detail haucht der Elektrotechniker seinem Capri in rund 1.000 Arbeitsstunden neues Leben ein. Da zwischenzeitlich auch noch ein Hausbau anstand, sollte es bis 2012 dauern, bis der Oldie seine H-Zulassung erhielt. „Wie bei allen meinen Autos legte ich größten Wert auf Originalität. Das gilt auch für die Lackierung in Daytona-Gelb – sie steht dem Capri in Kombination mit dem Vinyl-Dach hervorragend und hebt sich vom tristen Einheitsgrau vieler moderner Modelle ab.“ Das finden wir auch und genauso schick wie die bequemen Sitze, die mit dem originalen Stoff neu aufgepolstert wurden. Bei den gemeinsamen Ausfahrten mit Ehefrau Annette sitzen hinten die beiden Hunde und zusammen lassen sie die bunten 70er wieder lebendig werden.

Nun startet auch unser Tross, um sich bald schon wieder aufzulösen – einige wollen anscheinend schneller als wir bei den Classic Days sein – zumindest geben sie mehr Gas. Also wird es nichts aus der Orientierung am vorweg fahrenden Capri und das Roadbook muss stattdessen herhalten. Um langweilige Autobahnetappen zu vermeiden, führt die Route über Landstraßen und zahlreiche Kreisverkehre. Für so ein „altes“ Auto fährt sich der 47 Jahre alte Capri mit 108 PS überraschend „einfach“ und entspannt. Nach rund anderthalb Stunden nähern wir uns dem Gelände von Schloss Dyck und stehen erstmal im Stau, schließlich wollen auch noch viele andere Oldtimer dorthin. Unsere Geduld wird dann doch noch belohnt und wir rollen im Schritttempo zwischen den anderen, oft deutlich teureren Klassikern auf unseren exklusiven Parkplatz beim Ford-Zelt.

Dort angekommen, warten bereits die ersten Clubfreunde und die legendäre Ford-Waffel auf uns. Während wir snacken, genießt unsere Gruppe – aber auch jeder Capri für sich allein – die Aufmerksamkeit der zumeist fachkundigen Besucher des Festivals. Dessen straffer Zeitplan sieht allerdings eine Pause für die PS-Gespräche vor, denn jetzt geht es auf den Rundkurs. In Zweierreihen aufgestellt, kündigt uns der Streckensprecher emotional an und gibt einen Schnellabriss der Historie. Nicht zu schnell wegen den „Blitzern“ hatte uns der Pressesprecher von Ford ermahnt, sollte gefahren werden und wir halten uns daran. Soll der über 400 PS starke RS-Rennwagen mit seinem brachialen Sound doch vorweg fahren, für unseren liebevoll gepflegten 1972er GT mit H-Kennzeichen gilt es ja auch kein Rennen zu gewinnen oder der erste zu sein – das hatte und hat der Ford Capri nicht nötig. Happy Birthday und alles Gute!

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