Classic Days Schloss Dyck 2017 Highlights

09.08.2017 | Christian Sauer | Lifestyle, News, Testrides

Auch dieses Jahr gingen wir beim „deutschen Goodwood“ zusammen mit prominenten Rennfahrern samt Oldtimern von Alfa Romeo, Ford, Land Rover, Mercedes-Benz und von der Volkswagen-Autostadt auf die Piste. Darüber hinaus begeisterte das Motor-Festival auch wieder mit Jewels in the Park sowie Vintage Lifestyle.

Die Autostadt des Volkswagen-Konzerns brachte zahlreiche automobile Klassiker von Wolfsburg ins dieses Jahr zum Teil verregnete Rheinland. Wir hatten die Ehre, mit einem 139 PS starkem Rallye-Käfer 1302 Baujahr 1970 auf die 2,8 Kilometer lange Rundstrecke entlang Feldern, Wiesen und durch Dörfer zu gehen. Die Vielfalt des Konzerns und seiner Marken spiegelten über ein Dutzend Fahrzeuge vom Golf GTI, über Vorkriegs-Bentleys, einem Lamborghini Countach bis hin zum Bugatti Veyron wieder. Schade fanden wir und viele der zehntausenden, PS-begeisterten Besucher an insgesamt drei Tagen, dass der neue Bugatti Chiron fehlte.


Anlässlich des 70. Geburtstages des zweifachen Rallye-Weltmeisters Walter Röhrl gingen beim „Jubiläumslauf“ einige seiner ehemaligen Rennwagen samt dem Audi Sport quattro, Lancia 037 und Opel Ascona an den Start. An Röhrls Seite nahm wieder sein Wegbegleiter Christian Geistdörfer auf dem Beifahrersitz Platz und seine Autogramme waren fast so heißbegehrt wie die vom Altmeister. Diesmal allerdings „nur“ ausgestellt und nicht dynamisch zu erleben war sein Audi S1 Pikes Peak.

Für Mercedes-Benz Classic waren diesmal der ehemalige Formel-1-Fahrer Karl Wendlinger und der vor allem durch seine Rolle als Safety-Car-Pilot in der Königsklasse bekannte Bernd Mayländer eingeladen. Wir freuten uns besonders, mit den sehr sympathischen Rennfahrer-Legenden Jochen Mass im weißen Mercedes-Benz SSK von 1928 und Roland Asch im roten Mercedes-Benz SS, Baujahr 1930 mitfahren zu dürfen. Nicht nur uns bereitete die rasante Fahrt mit den bis zu 300 PS starken Giganten trotz des Fahrtwinds und dem kalten Regen im Gesicht merklich Spaß. Vor allem wenn der Kompressor lautstark kreischend einsetze, zauberte es ein breites Grinsen ins Gesicht der Fahrer, Beifahrer(in) und des treuen Publikums entlang der Strecke. Trotz ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in zahllosen Rennwagen mussten unsere „Chauffeure“ Jochen Mass und Roland Asch aufpassen, auf der regennassen Strecke zu bleiben und auch bei den Pedalen nicht durcheinander zu kommen – Bremen rechts!

Während sich die beiden Classic-Youngster Bernd Mayländer und Karl Wendlinger den 1957er Mercedes-Benz 300 SLS „Paul O’Shea“ teilten, der nach dem dreifachen US-Sportwagen-Meister benannt wurde, fuhr Jutta Benz den 0,75-PS-Motor-Patentwagen. Die Urenkelin von Carl Benz drehte mit dem Nachbau des Dreirades, das 1886 den Beginn der Automobilgeschichte markierte, einige eher langsame Runden und gab dann in Mitten ihrer charmanten Gentlemen-Kollegen gerne Autogramme. Wer vom Mercedes-Fieber angesteckt wurde, konnte bei All Time Stars – dem eigenen Fahrzeughandel der Klassikabteilung – direkt zuschlagen. Ausgestellt wurden ein 280 SL „Pagode“ (W 113), der von den Oldtimer-Experten einer umfassenden Werksrestaurierung unterzogen. So präsentiert er sich erneut wie im Jahr 1968, als er das Werk Sindelfingen verließ. Der zweite Roadster, ein 300 SL (R 107) aus dem Jahr 1986, befindet sich in einem außergewöhnlich guten Zustand mit erst 16.550 Kilometer auf dem Tacho. Mit festem Dach und riesigem Heckspoiler strahlte der 190 E 2.5-16 Evolution II von Anfang der 1990er Jahre in der Sonne ebenso wie im Regen. Beides mussten auch zahlreiche andere Sternenwagen ertragen, die rund um das Schloss Dyck verteilt parkten.


Italienisches Flair verbreitete auch dieses Jahr wieder Fiat Chrysler Automobiles (FCA). Deren Heritage-Abteilung brachte aus dem Werksmuseum einen Alfa Romeo 155 V6 Ti mit, der an die Siege von Nicola Larini in der DTM und den Gewinn der Meisterschaft 1993 erinnerte. Der originale Renner begeisterte bei der extrem seltenen Ausfahrt mit seinem 400 PS starken Sechszylinder und reinrassigen Klang. Dem stand der 1964er GTA-R samt 210 PS bei nur 810 kg Gewicht in nichts nach. Unsere „rasende Reporterin“ Anja konnte mit dem vom Giulia Sprint GT zum Rennwagen umgebauten Italiener an der Seite des Besitzers auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. „Wahnsinn – dieser Sound und dieses Fahrverhalten“, waren ihre Worte nach den schnellen Runden. Da mussten der Alfasud 1.3 ti aus den 1970er Jahren, mit dem der spätere Formel-1-Pilot Gerhard Berger seine Karriere begann sowie die aktuelle Giulia Quadrifoglio trotz ihren 510 PS richtig Gas geben, um den Anschluss nicht zu verlieren. Am Steuer des neuen, sportlichen Alfa-Flaggschiffs hatten wir im Race-Modus richtig Spaß – kontrollierte Drifts auf dem abtrockenden Asphalt inklusive.

Zusammen mit den anderen Italio-Fans bedauerten wir zwar, dass FCA diesmal keine historischen Fiat- oder Lancia-Modelle dabei hatte, aber dafür schickte ja die Autostadt Wolfsburg einen Lancia 037 mit Walter Röhrl am Steuer auf die Piste. Mit Arturo Merzario war zudem ein weiterer Weltklasse-Fahrer vergangener Zeiten zu den Classic Days Schloss Dyck gereist. Der inzwischen 74 Jahre junger Italiener, der immer noch durch seinen weißen Cowboyhut auffällt, hatte Nikki Lauda beim Horror-Crash von auf der Nürburgring-Nordschleife damals aus dem brennenden Auto gezogen und ihm somit das Leben gerettet. An diesem Wochenende fuhr er einen der legendären Ferrari 156 „Sharknose“ von 1961. Mit einem baugleichen Rennwagen verunglückte im jenem Jahr Graf Berghe von Trips, dem die Classic Days gewidmet sind, tödlich. Und dann gab es doch noch einen Fiat auf der Strecke zu bestaunen und was für einer: Erneut begeisterte das Feuerspeiende „Beast of Turin“, der einmalige Fiat S76 für Begeisterung. Mit mehr als 28 Liter Hubraum verteilt auf vier Zylinder setzte er 1913 mit 211 km/h damals einen spektakulären Geschwindigkeitsrekord.

Ford feierte bei den Classic Days 50 Jahre Cosworth mit dem den legendären Ford Cosworth DFV-Motor, der 1967 seinen Siegeszug in der Formel 1 und später auch bei den 24 Stunden von Le Mans antrat. Ende der 1980er Jahre galt der kraftstrotzende Ford Sierra RS500 Cosworth als quasi unschlagbar und sicherte sich nacheinander erst den Titel des Tourenwagen-Welt- und Europameisters. Zwar keine Rennwagen, aber ein Renner mit Straßenzulassung war 1972 der Capri RS 2600, mit dem wir fahren konnten. Weniger dynamisch denn elegant waren hingegen das Eifel Cabriolet, das zwischen 1935 und 1940 gebaut wurde sowie das 12m Coupé aus den späten 1960er Jahren.

Wer ebenso schöne wie starke Raubkatzen suchte, wurde nicht nur auf den weitläufigen Wiesen entlang der Rundstrecke mit den diversen Markenclubs fündig. Die Klassikabteilung Jaguar Land Rover Heritage stellte mehrere V12-Renn- und Sportwagen wie den XJR-5 aus. Doch damit nicht genug, wurden auch einige historische Offroader auf die Strecke. Wir pilotieren einen dreitürigen Range Rover aus 1979, der sich wie alle von uns gefahrenen Oldtimer überraschend einfach fuhr. Aus eigener Kraft erreichte leider nicht der Land Rover Serie 1 das Ziel. Doch dank Anhängerkupplung halfen wir im Range Rover gerne aus und schleppten ihn zurück auf das Festival-Gelände. Einem über 60 Jahre altem Klassiker kann man dies aber nicht nachtragen und wir wünschen ihm gute Besserung – bei Jaguar Land Rover Heritage ist er auf jeden Fall in den besten Händen.

Britische Klassiker gaben vielerorts bei den Classic Days Schloss Dyck den Ton an. Ob Bentley, Lotus, MG, Morgan, Rolls-Royce, Triumph, TVR oder eben Austin Healey – die Fahrzeuge von der Insel erfreuen unabhängig von ihrem Alter.

Doch natürlich dürfen die Amis nicht fehlen: Wunderschöne US-Cars gab es auch dieses Jahr wieder bei Stars & Strips zu erleben. Stilecht begleitet wurden Cadillac, Corvette, Mustang & Co. von leckeren Bürgern im Diner und Rock’n’Roll.

Leider können wir bei unserem Review nicht alle Autos, Fahrer und Sehenswürdigkeiten präsentieren – dafür sind es einfach zu viel bei den Classic Days Schloss Dyck. Wir danken aber allen Herstellern, die uns erneut die Fahrten und Mitfahrten ermöglichten sowie den engagierten PS-Enthusiasten und vor allem den zahlreichen Ehrenamtlichen, die das geniale Event überhaupt erst ermöglichen! Wir sehen uns 2018 wieder …