Best of: Classic Days Schloss Dyck 2016 (Video)

09.08.2016 | Christian Sauer | Lifestyle, News, Testrides

Classic Days Schloss Dyck 2016 Fiat 124 Spider

Ähnlich viele Emotionen weckte bei den tausenden Besuchern der Classic Days Schloss Dyck das „Käferkrabbeln“ der Autostadt. Der Themenpark direkt neben dem Wolfsburger VW-Werk besitzt zusätzlich zu Volkswagen Classic ebenfalls eine eigene Sammlung historischer Fahrzeuge verschiedenster Hersteller. Neben Exponaten aus dem „ZeitHaus“ der Autostadt  wurden auch Käfer-Enthusiasten mit ihren Schätzchen eingeladen. Wäre die Ausstellungsfläche im Schloss nicht limitiert gewesen, würden es sicher deutlich mehr als die 20 seltenen Exemplare geworden. Wir fuhren im 1955er Modell mit, das nicht neben seinen perfekten Zustand auch durch seine dynamischen Qualitäten überraschte. Und traditionell durften sich die Gäste auf Schloss Dyck auch wieder über das Käfer-Bähnle als Shuttle-Service freuen.

Neben all den außergewöhnlichen Klassikern brachte die Autostadt auch echte Rennfahrer-Legenden mit zu den Classic Days: Zum einen war da Walter Röhrl, der als zweifacher Rallye-Weltmeister, vierfacher Monte-Carlo-Sieger und mit insgesamt 14 Rallye-Siegen bei WM-Läufen Geschichte geschrieben hat. Für die Autostadt ging er noch einmal gemeinsam mit seinem damaligen Co-Piloten Christian Geistdörfer im legendären Audi Quattro S1 auf die Rennstrecke und erfüllte zahlreiche Autogrammwünsche. Walter Röhrl ließ es sich auch nicht nehmen, mit dem Porsche 935 einen weiteren seiner früheren Rennwagen zu pilotieren. Im typischen Orange lackiert war es eins von elf automobilen Highlights von „72 Stagpower – „The Spirit of Jägermeister Racing“. Dank der Autostadt waren erstmals seit vielen Jahren die Rennwagen mit Kultstatus wieder zusammen zu sehen und zu hören. Bei dem außergewöhnlichen Revival ließen es sich auch die Legenden Derek Bell, Hans-Joachim Stuck und Leopold Prinz von Bayern nicht nehmen, in ihre alten Cockpits zu steigen und Gas zu geben.

Die Klassik-Spate von Jaguar Heritige war im Vergleich zum letzten Jahr, als wir einen 1968er S-Type fuhren, zwar mit einem kleineren Lineup aber dafür mit einem einmaligen Rennwagen vertreten. Nach längerer Pause wollte Jaguar 1966 mit dem XJ13 wieder beim 24h-Rennen von Le Mans antreten und gegen Ferrari & Co. gewinnen.  Allerdings gab es Änderungen beim Reglement und somit wurde er bei keinem einigen Rennen eingesetzt. Der Prototyp konnte nach einem Testunfall wieder aufgebaut werden und befindet sich im Besitz vom offiziellem Jaguar Heritage Trust..

 

Zum krönenden Abschluss unseres diesjährigen Schloss-Dyck-Erlebnisses bekam dann unsere Redakteurin Anja die Ehre, an der Seite des ehemaligen DTM-Piloten Roland Asch im Mercedes 120 PS Rennwagen von 1906 über die Strecke zu jagen. Obwohl der erfahrende Pilot das Museumsstück vorher noch nie gefahren hatte und sich mit dem nötigen Respekt der 110 Jahre alte Technik nährte, waren die Runden keine gemütliche Spazierfahrt. Im Gegenteil – den atemberaubenden Fahrtwind im Gesicht, sorgte allein der lederne Haltegriff auf der Rückseite des Fahrersitzes für Sicherheit. Sein innovativer, von Wilhelm Maybach entwickelter Reihensechszylinder mit 11,0 Liter Hubraum hat einzelne, auf das Leichtmetall-Kurbelgehäuse montierte Stahlzylinder, eine obenliegende Nockenwelle, hängende Ventile und doppelte Hochspannungs-Kerzenzündung. Diese Konstruktion diente jahrzehntelang als Vorbild für Höchstleistungsmotoren und seine Leistung von 120 PS bei nur 1.500 Umdrehungen und 150 km/h Höchstgeschwindigkeit waren Benchmark. Bemerkenswert ist das Sechszylindermodell doch nicht nur wegen seines Motors. Die Rahmen-Längsträger sind über der Vorderachse gekröpft, die Blattfedern flacher eingebaut und der Kühler tiefer gesetzt, sodass der innovative Grand-Prix-Wagen ungewöhnlich niedrig ausfällt. Er kam jedoch nie zum Renneinsatz, weil die obenliegende Nockenwelle und die als neumodische geltende Kerzenzündung bei Geschäftsleitung und Aufsichtsrat der DMG keinen Beifall finden. Maybach, in der Fachpresse als „König der Konstrukteure“ gefeiert, verließ das Unternehmen 1907 und so blieb es auch in den Folgejahren beim Vierzylindermotor.

Von den begeisterten Zuschauern angefeuert wurden zudem Jutta Benz in einem originalgetreuen Nachbau des Patent-Motorwagens und Ellen Lohr im 500 SL Rallyefahrzeug (R 107) aus dem Jahr 1981. Zu den Exponaten von Mercedes-Benz Classic gesellten sich zahlreiche Cabrios aus dem ALL TIME STARS Programm dazu, die vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart gewartet bzw. restauriert, direkt verkauft werden.

Zudem hatte erstmals bei den Classic Days Schloss Dyck das Auktionshaus Coys sein Zelt mit vielen Kostbarkeiten aufgebaut. Wer über ein geringeres Budget verfügte oder einfach nicht so viel ausgeben wollte, konnte wie jedes Jahr wieder Zubehör, Sammlerstücke und passende Kleidung erwerben. Besonders beliebt waren bei dem Sonnenschein die Retro-Hüte- und -Mützen. Und wer im Vorfeld kein Ticket für einen der begehrten Plätze zum Picknick direkt neben den Oldtimern auf den Wiesen bekommen hatte, fand beispielsweise beim American Diner im diesmal vergrößerten Bereich „Stars & Strips“ ein abwechslungsreiches, kulinarisches Angebot.

Die Classic Days Schloss Dyck boten erneut für nahezu alle Geschmäcker ein Erlebnis der Extraklasse und wir freuen uns schon sehr auf ein Wiedersehen 2017.