Christian Puth: Hitzeschlacht in der Grünen Hölle

23.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

Christian Puth VLN Drivers Club Germany

Nachdem der ambitionierter Amateur-Rennfahrer Christian Puth letzte Woche bereits sein außergewöhnliches Hobby und sich vorgestellt hatte, berichtet er heute exklusiv über das vergangene Rennwochenende in der heißen „Grünen Hölle“ Nürburging-Nordschleife. So viel sei schon verraten – es war für ihn sehr erfolgreich!

Die Eifel ist nicht nur bekannt für Ihre Rennstrecke rund um die Nürburg und ihr wunderschöne Vulkanlandschaft, sondern auch für chronisch schlechtes Wetter. Viele Besucher der Eifelregion mussten sich hier schon in vermeintlichen Sommermonaten in dicken Winterjacken, Wind und Wetter aussetzen, während überall sonst in der Republik die Sonne schien. So sind alleine in den letzten Monaten diverse Läufe der VLN-Langstreckenmeisterschaft Schnee, Regen und Nebel zum Opfer gefallen. Mit Startverschiebungen, Rennabbruch und gar Rennabsagen ist in der Eifel also immer zu rechnen.

Umso ungläubiger habe ich in der letzten Woche die Wettervorhersage für die Region rund um die Nordschleife betrachtet. Von wolkenlosem Himmel und Temperaturen um die 25 Grad für das Rennwochenende war die Rede. Meine ursprüngliche Annahme, dass die Wetterfrösche nicht wüssten, was sie da vorhersagen, wich am Freitagmorgen, als ich auf dem Weg zur Rennstrecke tatsächlich auf Sonnenbrille und Klimaanlage zurückgreifen musste. Die Freude über die idealen Witterungsverhältnisse wurde aber auch von der frühen Erkenntnis begleitet, dass im Rennauto mit saunaähnlichen Temperaturen zu rechnen sein wird. Wie warm es in einem Auto im Sommer werden kann, das ein paar Stunden der Sonne ausgesetzt ist, kann sich jeder vorstellen. In einem Rennwagen kommen noch ein paar schweißtreibende Aspekte hinzu. Eine Klimaanlage ist aus gewichtstechnischen Gründen nicht mit an Bord. Zudem würde der Betrieb der Anlage auch Motorleistung kosten. Die Fenster bleiben in der Regel geschlossen. Zum einen aus aerodynamischen Gründen. Aber auch, um nicht von aufgewirbelten Steinchen oder Gummiteilen getroffen zu werden. Eine Lüftung gibt es zwar im Auto, aber die ist eher schwach in der Kühlleistung.

Verschärfend wirkt auch, dass ein Rennauto ohne komforterhöhende Dämm- und Isoliermaterialien fährt. Diese würden zu viel wiegen und werden deshalb weggelassen. Das wirkt sich zwar positiv auf die Performance aus, führt aber dazu, dass sich nicht nur die mechanischen Geräusche ungehindert im Autoinneren bemerkbar machen, sondern auch die Abwärme von Motor, Getriebe, Antriebsstrang, Auspuff, Bremsen und Reifen das Cockpit ungehindert weiter aufheizt. Im Rennauto können daher locker Temperaturen von weit über 60 Grad herrschen. Und in diesem Glutofen darf man sich dann – eingepackt in feuerfester Unterwäsche, dreilagigem Rennoverall, Balaklava, Helm und Handschuhen – 90 Minuten lang sportlich betätigen. Nicht ohne Grund trainieren einige Rennfahrer auf ihrem Heimtrainer, indem sie ihn in die Sauna stellen. Ich sah mich den anstehenden Strapazen ganz gut gerüstet. Wie sich später zeigen sollte, war ich aufgrund meines Konditionstrainings und dem literweisen Wassertrinken in den letzten Tagen vor dem Rennen tatsächlich bestens vorbereitet.

Das Rennwochenende begann für mich am Freitagvormittag. Nach der Papierabnahme, die mich zur Teilnahme am Rennen befähigt, hatte ich mit meinem Einsatzfahrzeug, einem Audi TTS zunächst 45 Minuten freies Training auf der Grand Prix Strecke des Nürburgrings. Am Nachmittag standen noch einmal zwei Stunden freies Training an, jetzt aber auf der gesamten Nordschleife, wie sie auch im Rennen befahren wird. Während die Grundabstimmung des Fahrzeugs meist schon steht, werden die freien Trainings dazu genutzt, das Fahrzeug auf die aktuell herrschenden Bedingungen abzustimmen. Dabei wird mit verschiedenen Reifenmischungen, Luftdrücken und Fahrwerkseinstellungen versucht, das Auto so zu konditionieren, dass es möglichst schnell auf der Rennstrecke ist. Da wir uns in der Langstreckenmeisterschaft das Auto zu dritt teilen, sind auch immer alle Fahrer an den Trainings beteiligt, da jeder auch mit den Änderungen am Fahrzeugsetup zurechtkommen muss. Hier wird dann auch deutlich, warum Motorsport eine Mannschaftssportart ist. Ohne Kommunikation unter den Fahrern und ohne ein Mechaniker-Team, das die Wünsche und Anforderungen der Fahrer umsetzt, wird man nicht erfolgreich am Rennen teilnehmen können.

Das freie Training am Freitagnachmittag wird aber auch gerne für Taxifahrten genutzt. Auf einem extra eingebauten Beifahrersitz im Auto können Sponsoren oder motorsportbegeisterte Kunden eine Runde in einem Rennwagen auf der Nordschleife im Renntempo erleben. Wir hatten am Freitag auch einige Taxifahrten anstehen, die auf dem zweiten Einsatzautos des Teams von Hömberg Motorsport – ebenfalls einem Audi TT, der aber in einer anderen Klasse startet – ausgeführt wurden. Die Trainings verliefen toll. Wir hatten hauptsächlich daran gearbeitet, mit verschiedenen Luftdrücken die Reifen auf die warmen Außen- und Asphalttemperaturen einzustellen. So konnten wir bestens gerüstet in die Qualifikation für die Startaufstellung und das Rennen am Samstag gehen. Freitag klang dann mit einem gemeinsamen Abendessen des gesamten Teams in einem italienischen Restaurant aus, bevor es in die Pension zum Schlafen ging.