Born in the USA: Chevrolet Corvette C7 Stingray Cabrio

09.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Chevrolet Corvette C7 Stingray Cabrio Heck

Etwas enttäuscht sind wir zuerst auch vom V8-Sound, der nach dem Start erstmal fast verstummt. Wie bei immer mehr Sportwagen setzt die Corvette auf einen Klappenauspuff, der erst ab 3.000 Touren frei ausatmen darf. Kräftiger klingt er generell im Sport- und Track-Modus. Daneben stehen noch Fahrprogramme für schlechtes Wetter, zur Optimierung des Spritverbrauchs sowie für komfortable Touren zur Wahl. Dementsprechend passen sich neben den Displays auch die Lenkung, die Dämpfer, das elektronisch geregelte Sperrdifferential, die Traktionskontrolle und die anderen Helferchen an.

 

Insgesamt überrascht der Fahrkomfort trotz den riesigen Rädern und den dünnen Gummis. Das passt perfekt zum entspannten Cruisen und der lange Radstand beschert der C7 zusammen mit der gesteigerten Verwindungssteifigkeit einen ruhigen Geradeauslauf. Die Lenkung wirkt allerdings zu leichtgängig, selbst in den sportlicheren Fahrstufen wird sie nur etwas fester. Doch wenn man es drauf anlegt, zeigt die Vette trotzdem ihre wilde Seite und wird zum einfach kontrollierbaren Quertreiber. Driften, Driften, Driften – am besten natürlich auf abgesperrter Strecke. Dort und auf Landstraßen lenkt der trotz leichten Materialien 1,6 Tonnen wiegende Kolos überraschend zackig ein. Die Brembo-Bremsen mit Stahl-Scheiben verzögern standesgemäß.

 

Eine Besonderheit stellt die knackige Handschaltung dar, die wie beim Porsche 911 sieben Gänge besitzt. Über die Schaltpaddel am immer noch etwas zu großen Lenkrad wird die automatische Zwischengas-Funktion aktiviert. Die Wahl des richtigen Gangs erleichtert eine digitale Anzeige und die Kupplung ist gut dosierbar. Alternativ gibt es eine 6-Stufen-Automatik, die demnächst von einem neuen 8-Stufen-Getriebe ersetzt wird. Fast so schnell wie ein Doppelkupplungsgetriebe sollen die Gänge damit gewechselt werden und zudem der Durst reduziert werden. Zu diesem Zweck schalten jetzt bereits möglichst oft vier Zylinder ab. Dennoch verbraucht die C7 offiziell im Schnitt über zwölf Liter – satte 6,2 Liter Hubraum wollen nun mal gefüllt werden – von Downsizing und Turbolader also keine Spur.

Von unten heraus hängt der Saugmotor gut am Gas, doch erst mit steigenden Drehzahlen geht er richtig ab. Das unterstreichen auch die Leistungskurven mit 630 Nm ab 4.600 Umdrehungen sowie 466 PS bei 6.000, was bei sportlicher Fahrweise sicherlich keinen Nachteil darstellt. 4,2 Sekunden für den 100er Sprint und 282 km/h Topspeed sind sicherlich gute Werte, gerade für ein Cabrio, dennoch könnte gerade hierzulande der Wunsch nach mehr aufkommen. Für Abhilfe sorgt Chevrolet im nächsten Jahr mit der Z06 samt 660 PS und 881 Nm dank Kompressor-Aufladung. Selbst eine Open-Air-Variante ist geplant. Traditionell bietet die Corvette ein nahezu konkurrenzloses Preis-Leistungsverhältnis. Sogar die Z06 wird unter 100.000 Euro bleiben und unser Testwagen mit 466 Pferdchen startet bei knapp 80.000 Euro. Das Coupé ist sogar nochmal 5.000 Euro günstiger und Importeure knacken sogar noch den Preis. Damit bleibt die Corvette auch in der siebten Generation ein Schnäppchen im Vergleich zur europäischen Konkurrenz. Die Stingray ist also nicht nur „born in the USA“ sondern auch „born to run“.