Born in the USA: Chevrolet Corvette C7 Stingray Cabrio

09.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Chevrolet Corvette C7 Stingray Cabrio
Wir von Drivers Club Germany testeten die neue „Vette“ als Cabrio nicht auf amerikanischen Highways, sondern auf deutschen Autobahnen und Landstraßen.

Es gibt nur wenige Auto-Modelle, die auf eine über 60-jährige Tradition verweisen können: Bereits 1953 – also rund zehn Jahre vor dem Porsche 911 – erblickte die erste Generation das Licht der Welt. Der Name „Stingray“ tauchte dann erstmals bei einem Rennwagen-Prototypen auf, dessen Styling die zweite Corvette-Generation ab 1963 maßgeblich beeinflusste. Auch wenn Muscle-Cars wie Chevrolet Camaro, Dodge Challenger und vor allem der Ford Mustang derzeit ihr Comeback feiern und immer neue Leistungsrekorde aufstellen, ist und bleibt die Corvette DER amerikanische Sportwagen schlechthin. Selbst den Angriff der brutalen Dodge Viper, die aktuell gar nicht mehr offiziell in Deutschland verkauft wird, konnte die Corvette zurückschlagen. Mit der im letzten Jahr präsentierten C7 Stingray will GM die legendäre Geschichte fortschreiben und ihr neuen Schwung verleihen.

 

Dafür hat sie in allen Disziplinen gewonnen, nicht nur an Leistung und Performance, sondern ebenfalls an Eleganz und Wertigkeit. Geblieben ist natürlich die riesige, unendlich lang scheinende Motorhaube. Insgesamt misst die Corvette 4,48 Meter in der Länge und 1,87 in der Breite. Die Optik wirkt mit den schmalen Scheinwerfern, der spitzen Nase und dem hierzulande serienmäßigen Aerodynamikpaket sehr aggressiv. Dazu tragen auch die mächtigen, bis zu 20 Zoll großen Räder mit 285er Michelin-Walzen bei. Brachial breit präsentiert sich ebenfalls das Heck mit Spoiler, vier Rückleuchten und genauso vielen Endrohren im XXL-Formal. Größer ging es wohl nicht und die mittige Anordnung als Fanfaren-Quartett ist ebenso aufsehenerregend wie ihr Klang – doch dazu später mehr. Erstmal noch ein Blick in den Kofferraum, der sich bei geöffnetem Verdeck von 243 auf 171 Liter verkleinert. Leider kommt einschränkend noch dazu, dass er sehr flach ausfällt und so z.B. Getränkekisten kaum reinpassen. Wer mit seiner Corvette verreisen will, wäre mit dem Coupé samt 425 Liter Stauraum unter seiner gewölbten Glasscheibe besser beraten.

 

Dafür muss auf das ungefilterte Frischluft-Vergnügen des Cabrios verzichtet werden. Auf ein Windschott verzichtet die C7 ebenso wie auf hintere Seitenscheiben. Stattdessen gibt es viel Fahrtwind und eine elektrische Bedienung für das  Stoffdach, das sich binnen 21 Sekunden öffnet und schließt – übrigens auch während der Fahrt bis 50 km/h und per Fernbedienung – dann allerdings nur, um die Sonne rein zu lassen. Wenn es zu Regnen beginnt, sollte man schnell zurück im Cockpit sein. Positiv ist zu erwähnen, dass das dreilagige Stoffverdeck mit Heckscheibe aus Glas bis rund 200 km/h nur wenige Windgeräusche verursacht und in vier Farben bestellbar ist. Der Braun-Ton unseres Testwagens nennt sich „Kalahari“ und setzt sich im Cockpit mit der umfangreichen Leder-Ausstattung fort. Alternativ stehen weitere Farben und ein Wildleder-Paket zur Wahl. Insgesamt hat sich innen viel verändert, und zwar zum Besseren. Die  Qualität liegt nun auf hohem Niveau: Nur noch an wenigen Stellen kommen Fahrer und Beifahrer in Kontakt mit Hartplastik.

Die tief angeordneten Sitze mit Sitzheizung sowie Belüftung sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Allerdings sind sie nur 8-fach elektrisch einstellbar – da bieten andere Hersteller mehr. Zusätzliche Ablagen wären ebenfalls sinnvoll gewesen, wobei zum Beispiel fürs Handy oder die Digicam ein überraschender und sicherer Platz gefunden wurde: Per Knopfdruck verschwindet der 8-Zoll-Touchscreen, um ein „Geheimfach“ zu offenbaren. Das Infotainment-System lässt sich relativ einfach bedienen, das Bose-Soundsystem wummert aus zehn Lautsprechern. Doch noch beeindruckender finden wir das Head-up-Display sowie das digitale Zentraldisplay mit konfigurierbaren Anzeigen. Daneben wirkt der analoge Tacho vielleicht etwas deplatziert.