Britischer Edel-Laster: Jaguar XF Sportbrake im Test

13.10.2013 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar XF Sportbrake Drivers Club Germany 2

Erstaunlich viel und mehr als wir beim Blick auf das Datenblatt erwarten durften. Die von uns getestete Einstiegsmotorisierung erreicht mit 2,2 Liter Hubraum und 200 PS natürlich nicht die Fahrleistungen eines Sportwagens, dennoch sind 8,8 Sekunden von null auf 100 km/h ordentlich. Der Vierzylinder-Diesel schiebt die 1,8 Tonnen Leergewicht mit 450 Nm ab 2.000 Umdrehungen gut an und die Tachonadel stoppte sogar erst nach der offiziell angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 214 km/h. Das prestigeträchtige Tempo 250 erreicht der XF Sportbrake allerdings nicht. Dafür lässt sich sogar bei über 200 km/h auf Autobahn der Verbrauch bei unter 10 Liter halten. Offiziell gibt Jaguar im Durchschnitt 5,1 Liter an. Positiv wirkt sich dabei sicherlich aus, dass die sanft agierende Automatik über acht Gänge verfügt. Eine manuelle Hand-Schaltung gibt es grundsätzlich nicht,  stattdessen den immer noch sehenswerten Drehschalter, der sich beim Motorstart majestätisch aus der breiten Mittelkonsole erhebt. Gegen Aufpreis werden Schaltpaddels am Lenkrad angeboten, die aus unserer Sicht aber mehr Sinn bei den stärkeren Diesel- und vor allem bei den Benzinmotoren machen.

Gerade mit deren Sound kann unser XF natürlich nicht mithalten. Der Motor ist akustisch kaum vernehmbar, was bei einem Diesel ja durchaus als Lob gewertet werden kann. Umso besser lässt sich das klangstarke Soundsystem vom britischen Audio-Spezialisten Meridian mit 380 oder 825 Watt, 15 Audiokanälen und 17 Lautsprechern genießen. Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt allerdings dessen Bedienung. Zum Start vor fünf Jahren war Jaguar einer der ersten Hersteller, der in auch in der Mittelklasse ein Touchscreen-Navi an Bord hatte. Inzwischen wirkt es aber veraltet und bräuchte eine Modernisierung. Ansonsten gefällt der geräumige Innenraum, der sich mit Echtholz-Zierelementen und weichem Leder in unterschiedlichen Farben sowie Kontrastnähten individuell gestalten lässt. Das kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass an einigen Stellen nicht besonders hochwertiger Kunststoff den ansonsten positiven Eindruck etwas schmälert. Das gilt natürlich ebenso für die XF-Limousine, die durch die flacher abfallende Dachlinie rund fünf Zentimeter weniger Kopffreiheit als der Sportbrake bietet.

Schade, dass es den Sportbrake anders als die Limousine (noch) nicht mit Allradantrieb gibt. Alternativ zu unserem kleinen Diesel ab 48.550 Euro werden derzeit noch zwei stärkere Motorisierungen angeboten. Der 3.0 Liter V6 Diesel mit 240 PS kostet 52.550 Euro, 275 PS im 3.0 Liter V6 Diesel S schlagen mit 56.550 Euro zu Buche – also jeweils rund 3.000 Euro Aufpreis zur Limousine. In den Startlöchern steht unterdessen der 510 PS starke Jaguar XFR Sportbrake mit V8-Kompressor für rund 100.000 Euro. Unterm Strich ist der Jaguar XF auch und gerade als Sportbrake mit Dieselmotor ein angenehmer Begleiter im Alltag, der dank seines geringen Verbrauchs Fahrspaß ohne Reue bietet.