Best of 2015: BMW X5 M im Fahrbericht

30.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

BMW X5 M Drivers Club Germany
Wir testen das 575 PS starke SUV der BMW M GmbH auf Herz und Nieren – auf Asphalt und im Gelände. Ob er dort überzeugen kann?

Was wäre die automobile Welt heutzutage ohne SUVs? Kaum vorstellbar, genauso wie bis vor wenigen Jahren noch nicht an einen „Hochbeiner“ mit mehr als 500 PS zu denken war. Doch wie der X5 generell als einer der ersten Luxus-SUVs überhaupt gilt, folgte die erste M-Version ab 2009 dem Mercedes-Benz ML 63 AMG und dem Porsche Cayenne. Seitdem liefert sich das dynamische Trio – ergänzt durch das Schwestermodell X6 M sowie den nagelneuen Range Rover Sport SVR – immer wieder heiße Duelle im Grenzbereich zwischen Fahrdynamik und Motorleistung.

Der Trend zum Wettrüsten scheint trotz dem Sparzwang beim Hubraum zu Gunsten des Verbrauchs nicht aufzuhalten. Der neue BMW X5 M stellt mit seinen Daten so manchen reinrassigen Sportwagen in den Schatten: V8-Biturbo mit 4,4 Liter Hubraum, 750 Nm Drehmoment ab 2.200 Touren und 575 PS bei 6.000 – 6.500 Umdrehungen, Achtgang-Automatik mit einstellbaren Schaltzeiten, Launch-Control und 4,2 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 250 beziehungsweise 280 km/h mit dem aufpreispflichtigen M Driver´s Package ist der Bayer, der wie alle großen BMW-SUVs in den USA gebaut wird, gleichauf mit seinen Konkurrenten oder sogar noch schneller. Bei unserem Testwagen krallen sich 21-Zoll-Schmiederäder mit monströsen 325er Hochleistungsreifen beim Beschleunigen wie auch beim Bremsen in den Asphalt. Der Leistung angemessene Compound-Scheiben garantieren standesgemäße Verzögerungswerte. Allerdings müssen sie gegen das hohe Gewicht von rund 2,3 Tonnen ankämpfen, ebenso wie der Fahrtwind gegen die 1,75 m hohe und 1,98 m breite Karosserie samt Kotflügelverbreitungen.

 

Dementsprechend hoch fällt auch der Verbrauch aus: Offiziell mit 11,1 Liter angegeben, was 20 % weniger als beim Vorgänger wäre, zeigt der Bordcomputer während unseren Testfahrten um die 18 Liter an. Wer mit seinem X5 M nicht in einem Land beheimatet ist, wo Kraft(reserven) wichtiger als der Kraftstoffverbrauch sind, könnte mit dem X5 M50d eine interessante Alternative finden. Mit nahezu identischem Drehmoment schluckt der sportliche Diesel deutlich weniger als sein ultrasportlicher Bruder das teure Super Plus. Allerdings punktet dieser in Sachen Fahrdynamik. Da hat BMW nochmal eine Schippe drauf gelegt und Feinschliff betrieben. Das tiefergelegte Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und Luftfederung an der Hinterachse sowie die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung scheinen im Sport- und Sport-Plus-Modus fast die Grenzen der Physik aufzuheben. Extrem schnell und zugleich sicher schießt der X5 M durch Kurven und wieder hinaus. Der Allradantrieb hat zu Gunsten der Agilität eine hecklastige Grundabstimmung, kann die enorme Kraft je nach Bedarf aber bis zu 100 % auf die Vorder- oder Hinterachse übertragen. Das ESP erlaubt auf Wunsch kontrollierte Drifts.

Dazu passt perfekt der bullige Vortrieb und V8-Sound aus den vier Endrohren des Klappenauspuffs. Bei Vollgas brüllt der X5 M wild und die blitzschnellen Schaltvorgänge – automatisch oder per Schaltpaddel – werden von der kraftvollen Klangkulisse untermalt. Wie bei den anderen M-Modellen von BMW lassen sich Antrieb, Dämpfung und Lenkung separat in drei Stufen einstellen oder in zwei Programmen individuell abspeichern. Im M-Modus des konfigurierbaren Head-up-Displays werden statt Navi-Hinweise auf Wunsch das breite Drehzahlband und Schaltempfehlungen farbig ins Blickfeld des Piloten projiziert. Wenn nicht gerade auf einer Rennstrecke unterwegs, wo sich das SUV durchaus wohl fühlt, sollte er gut auf die angezeigten Tempolimits achten, sonst ist der Führerschein schnell in Gefahr. Doch der X5 M macht auch bei gemäßigten Geschwindigkeiten eine gute Figur. Dabei meinen wir allerdings nicht ambitionierte Gelände-Touren, denen die auf Höchstgeschwindigkeit getrimmten „Schlappen“ einen Strich durch die Rechnung machen. Vielmehr überrascht der Sportler durch seine Vielseitigkeit im Alltag, wo der Fahrkomfort nicht zu kurz kommt. Sehr entspannt gibt er sich auf langen Strecken ebenso wie in der Stadt.