Luxus im Überfluss: BMW M6 Cabrio im Fahrbericht

03.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

BMW M6 Cabrio Drivers Club Germany

Cabrios mit viel Platz für vier sind rar, noch dazu Leistungsstarke mit sportlichem Anspruch. Der offene Audi RS5 mit 450 PS fällt deutlich kleiner als der ausgewachsene BMW aus. Da Mercedes das E-Klasse Cabrio nicht als AMG anbietet, können Interessenten nur außerhalb Deutschlands eine adäquate Alternative finden. Maserati hat mit dem GranCabrio MC zwar einen äußerst attraktiven Viersitzer im Programm, doch weder beim Platzverhältnis, noch mit den 460 Pferchen kann der Italiener mithalten. Der ganz neue Aston Martin Vanquish Volante bietet mit seinem sechs Liter großem V12-Sauger und 573 PS ein vergleichbares Leistungsniveau wie der BMW M6, aber hinten nicht mehr als zwei Notsitze. Sogar bis zu 625 PS unter Haube hat der Bentley Continental GT Speed mit ähnlich gutem Platzverhältnis auch in der zweiten Reihe. Mit Allradantrieb, aber leider auch mit rund 2,5 Tonnen Gewicht, attackiert der Deutsch-Brite den Bayern zwar bei den Fahrleistungen – beide 4,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und 325 km/h Topspeed gegenüber elektronisch abgeriegelten 250 beim M6 – fahrdynamisch kommt er allerdings nicht an den BMW heran.

Der ist trotz seiner Größe und zugegeben ebenfalls nicht geringen Gewichts eine Klasse für sich. Lässig gleiten oder es richtig krachen lassen – der M6 macht alles möglich. Dafür sorgen das Know-How der BMW M GmbH und die zahlreichen Einstellmöglichkeiten. So lässt sich ein persönliches Setup programmieren, abspeichern und per Knopfdruck am Lenkrad abrufen. „Sport+“ aktiviert und das Drehzahlband im Head-Up-Display wartet gerade darauf, blitzschnell bis auf über 7.000 Touren zu jagen. Dazu gibt es neben dem Sound mit Suchtgefahr auch die volle Power von 680 Nm auf die Hinterräder. Sogar ein Ausflug auf abgesperrtes Terrain mit schnellen Runden oder kontrollierten Drifts wären denkbar. Dazu passt natürlich das „Competition Paket“, das BMW neuerdings für den verjüngten M5 und alle M6-Versionen anbietet. Es beinhaltet unter anderem eine Leistungssteigerung auf 575 PS, ein noch sportlicheres Fahrwerk und Sounderlebnis. Doch um an den Ausgangspunkt unseres Exkurses zurück zu kehren – mit diesem ganz besonderen Cabrio lässt sich neben Gas geben eben auch wunderbar relaxed cruisen.

Gibt es überhaupt Kritikpunkte und Verbesserungspotential? Kaum – weniger Verbrauch wäre natürlich immer besser. Bei sportlicher Gangart waren die offiziell angegebenen 10,3 Liter auf 100 km/h eher Wunsch statt Wirklichkeit. Bis auf ein schlechtes Gewissen in Sachen Nachhaltigkeit, sollte dies potentiellen Käufern eines M6 Cabrios mit 131.400 Euro Grundpreis wohl keine Sorgen machen. Wer gern mehr Individualität oder Technik-Features wie die Carbon-Keramik-Bremsen wünscht, muss sowieso mit horrenden Aufpreisen im vierstelligen Bereich rechnen – allein Freunde vom Allradantrieb gehen leer aus – der wird derzeit für kein Geld der Welt angeboten. Diese fehlende Option hätte die Alltagstauglichkeit des M6 noch weiter gesteigert und den BMW zum Ganzjahrescabrio verwandelt. Doch braucht man(n) das überhaupt?