Luxus im Überfluss: BMW M6 Cabrio im Fahrbericht

03.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

BMW M6 Cabrio Drivers Club Germany

Was bedeutet Luxus? Vielleicht heißt es einfach „mehr“ zu haben als man braucht oder als nötig ist? Theoretische Diskussionen sind allerdings nicht unser Ding – also nähren wir uns dem Thema am besten mit einem passenden Beispiel auf vier Rädern. Unsere Redakteure Anja und Christian Sauer nahmen das BMW M6 Cabrio unter die Lupe.

Nicht selten bekommen wir bei Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch mit erfahrenen Kollegen zu hören, dass Cabrios eigentlich keinen starken Motor brauchen, denn all‘ zu schnell ist man damit meistens ja nicht unterwegs. Ganz unrecht haben sie nicht: Sich bei offenem Verdeck den Wind durch die Haare wehen lassen und die Sonne genießen, ist ein grandioses Gefühl. Dafür brauchen wir auch keine „Geschwindigkeitsrekorde“ aufstellen, aber ein Cabrio mit viel Power unter der Haube und passendem Sound dazu ist uns dennoch lieber als eins ohne. Da kommt uns der BMW M6 als Cabrio wie gerufen.

Viele der im M6 verbauten Komponenten, stammen aus dem ebenfalls auf Hochleistung getrimmten M5. Der begeisterte uns schon letztes Jahr mit seinem 560 PS starken V8-Hochdrehzahlmotor samt TwinPower Turbo Technologie, dem schnell schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, dem adaptivem Sport-Fahrwerk und den bissigen Bremsen. Nicht weniger beeindruckend als im M5, sind diese technischen Leckerchen im M6 Coupé mit seinem leichten Carbon-Dach oder eben im M6 Cabrio mit Stoffverdeck. Das bringt insgesamt allerdings über zwei Tonnen auf die Waage und wiegt somit 100 kg mehr als ein M5 und sogar 130 kg mehr als der eng-verwandte M6. Sogar das viertürige M6 Gran Coupé ist über 100 kg leichter als das Cabrio. Hinzu kommt, dass es innerhalb der M6-Familie sicherlich den geringsten Nutzwert vorweisen kann. Das zeigt ein Blick in den Kofferraum, der wegen des sich dort zusammen faltenden Stoffverdecks von 350 auf 300 Liter schrumpft – zugegeben kein schlechter Wert für ein offenes Auto – aber eben dennoch über ein Viertel weniger als in den geschlossenen Varianten.

 

Ein festes Klappdach hätte noch mehr Gewicht gebraucht und Platz geraubt. Wir finden, dass es nicht nur optisch eine gute Entscheidung von BMW war, darauf zu verzichten und dafür lieber das Stoffverdeck hinsichtlich Geräuschdämmung und Isolierung zu optimieren. Clever ist ebenso die vertikale Glasscheibe, die sich bei geschlossenem Verdeck öffnen lässt und hochgefahren als Windschott dient. So bleibt auch die zweite Sitzreihe bei schönem Wetter nutzbar. Doch auch wenn zwei Erwachsene selbst auf längeren Strecken bequem im Fond sitzen, ist der beste Platz natürlich vorn.

Die bequemen M-Multifunktionssportsitze sind vielfach elektrisch verstellbar, beheiz- und  belüftbar. Edle Details, wie in die Kopfstützen geprägten M-Logos oder die M-farbigen Nähte des Volants unterstreichen den besonderen Status und Charakter. Positiv aufgefallen hat uns am Multifunktions-Lenkrad, dass es sehr zierlich ausfällt und gut in der Hand liegt. Schon serienmäßig wird verschwenderisch viel feines Leder verwendet, um damit beispielsweise das geschwungene Armaturenbrett zu veredeln. Weder Optik noch Haptik geben Grund zur Kritik, die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung sind erstklassig. Was die Bedienung angeht, findet sich jeder sofort zurecht, wer schon einmal in einem anderen BMW jüngeren Alters saß. Auf Wunsch lässt sich der M6 mit jeder Menge elektronischer Features aus dem 7er aufrüsten, von sicherheitsrelevanten Assistenzsystemen wie dem Nachtsichtgerät, bis hin zu TV- und Internetempfang. Doch es gibt wichtigere Argumente für den M6 als Cabrio.