BMW M3 – Tourenrennwagen für den Alltag

21.12.2014 | Christian Sauer | Testrides

BMW M3 Limousine Fahrbericht Drivers Club Germany
In der neuesten Generation will der viertürige Sportler mit 431 PS wieder Maßstäbe setzen. Ob ihm das gelingt, klärt unser Testfahrer Christian Sauer in seinem Fahrbericht.

Was soll man(n) davon halten – Yas Marina Blau – heißt der auffällige Lackton unseres Testwagens. Metallisch glänzend scheint das „Babyblau“ besonders bei Frauen Sympathien zu wecken. Dabei gilt der M3 seit fast 30 Jahren doch eigentlich als Auto für echte Männer. Im Frühjahr 1985 begann die Motorsport-Abteilung von BMW mit der Entwicklung eines Rennwagens für den Tourenwagensport. Seine Premiere feierte der erste BMW M3 mit Straßenzulassung dann im September 1985 auf der IAA in Frankfurt, zuerst als Coupé mit einem Vierzylinder-Saugmotor samt 2,3 Liter Hubraum und 195 PS. Ihm folgte bald eine Cabrio-Version und in der zweiten Generation Anfang der 90er Jahre auch eine Limousine. Die Leistung stieg dank sechs Zylindern auf bis zu 321 PS. In der dritten Auflage waren es bis zu 360 PS und mit V8-Sauger erreichte die vierte Generation mit 4,0 beziehungsweise 4,4 Liter Hubraum sogar 420 bis maximal 450 PS.

Beim Nachfolger gibt es nun gravierende Neuerungen: Zum einen gibt es den M3 entsprechend der neuen BMW Modellstrategie nur noch als viertürige Limousine. Das zweitürige Coupé und Cabrio mit festem Klappdach heißt inzwischen M4. Zum anderen hält der Trend des Downsizing weiter an, in dessen Folge auch die größeren M5 / M6 von zehn auf acht Zylinder degradiert wurden. Beim M3 / M4 verbannte BMW den V8 und tauschte ihn wieder gegen sechs Zylinder ein. Der vollkommen neu entwickelte Reihenmotor mit M TwinPower Turbo Technologie und Hochdrehzahl-Konzept leistet zwar „nur“ 431 PS, dafür fällt das maximale Drehmoment mit 550 Nm rund 40 Prozent höher als beim Vorgänger aus und steht zudem über ein breiteres Drehzahlband von 1.850 bis 5.500 Touren zur Verfügung. Eher untypisch für ein Turbo-Triebwerk ist, dass sich alle Pferdchen erst ab 5.000 Umdrehungen versammeln und die Herde bis 7.300 zusammen bleibt. Subjektiv fühlt sich der drehfreudige Turbo dadurch noch sportlicher an.

 

Dazu passt der Sound aus den vier Auspuffrohren, der nach dem Start per Knopfdruck fast wie ein V8 tief blubbert und vor allem im Sport- oder Sport Plus Modus mit zunehmender Drehzahl seine Stimme lautstark erhebt. Wie bei seinen großen Brüdern lassen sich auch im M3 und M4 Dämpfung, Lenkung sowie Motor in drei Stufen einstellen. Dazu kommen die Schaltzeiten des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes, das für 3.900 Euro Aufpreis als Alternative zur serienmäßigen 6-Gang-Handschaltung – ebenfalls mit automatischem Zwischengas – bestellbar ist. Wir würden uns aber nicht nur wegen der besseren Beschleunigung von 4,1 statt 4,3 Sekunden aus dem Start auf 100 km/h per Launch Control für das DKG entscheiden. Es macht einfach sehr viel Spaß, manuell mit dem kleinen Schaltknauf oder den massiv wirkenden Schaltpaddel bei Vollgas knallhart durch die Gänge zu jagen und dann später wieder die Automatik sanft arbeiten zu lassen. Dieser schwierige Spagat zwischen alltagstauglichem Komfort und maximalem Fahrspaß gelingt dem Bayern nahezu perfekt in allen Disziplinen.