BMW M2 – Fun Machine im Fahrbericht

05.11.2017 | Christian Sauer | Highlights, Testrides

Mit vielen Vorschusslorbeeren kommt der kleinste Vertreter der M GmbH als Testwagen zu uns. Ist er tatsächlich der ursprünglichste und reinrassigste „M“, den es derzeit neu zu kaufen gibt.

Geil, geil, geil! Die Kraft, der Sound, die Traktion und die Kurvenlage – wir sitzen nicht in einem über 100.000 Euro teuren Sportwagen, sondern in einem BMW 2er. Wir wären allerdings nicht Drivers Club Germany, wenn es „irgendein“ 2er wäre, nein es ist der M2! In Windeseile stürmt die Drehzahlnadel gen 7.000 und wirft altbekannte Vorurteile, dass nur Saugmotoren drehfreudig sind, vehement über Bord. Bei 6.500 Umdrehungen erreicht der 3,0-Liter-Reihensechszylinder seine maximale Leistung von 370 PS. Dank Twin-Power-Turboaufladung sind es aber 500 Nm Drehmoment schon bei 1.400 Touren – also enorme Kraft von unten raus und oben nicht abgeschnürt – besser geht es nicht, oder?!

Zack, nächster Gang – ja, für Traditionalisten gibt es tatsächlich noch eine manuelle 6-Gang-Handschaltung – aber so schnell wie das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe wird wohl kein Pilot das Zusammenspiel von Kupplung und Schalthebel hinbekommen. In unserem Tester zappen wir an den Schaltpaddel und probieren die Launch-Control aus. DSC (ESP) deaktiviert, manuell den ersten Gang rein und zugleich Bremse sowie Gaspedal getreten, dann pendelt sich die Drehzahl bei 3.000 Touren ein und nun nur noch den Fuß von der Bremse. Kurz ringen die 265er Michelin Pilot Super Sport auf den filigranen 19-Zoll-Felgen um Haftung und dann geht es auch schon vorwärts: Wir werden in die bequemen Sportsitze mit einstellbarem Seitenhalt gedrückt und in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert. Doch die atemberaubende Beschleunigungsorgie ist damit noch nicht zu Ende – 200 km/h fallen nach knapp 14 Sekunden und mit dem M Driver’s Package wird der M2 erst bei 270 statt 250 elektronisch eingebremst. Natürlich können andere Sportler noch schneller, aber die Längsdynamik ist ja „nur“ eine seiner Qualitäten.

Jetzt geht es quer zur Sache und das einstellbare ESP in Verbindung mit Heckantrieb lassen ihm freien Lauf. Dank seines geringen Leergewicht von knapp unter 1,6 Tonnen und dem aktiven M Differenzial mit elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung zur Reduzierung der Drehzahlunterschiede zwischen den Hinterrädern für bestmögliche Traktion fassen wir schnell Vertrauen. Die Komfort-Einstellung des „Fahrerlebnisschalters“ überspringen, gehen wir direkt zu Sport und Sport Plus über. Der M2 ist so gut ausbalanciert und kontrollierbar, dass für versierte Piloten selbst auf nasser Strecke die eingeschränkten elektronischen Helfer kein Problem darstellen. Spielerisch einfach lässt sich Übersteuern mit Hilfe von Gas sowie der wunderbar direkten festen Lenkung provozieren und zugleich sicher kontrollieren.

Wie schnell man dabei wird, zeigt ein flüchtiger Blick auf die analogen Instrumente mit den wenigen digitalen Daten darunter. Dass es anders als in vielen neuen Modellen von BMW nicht einmal komplett digitale Instrumente als Option gibt, zeigt, dass die 2er-Baureihe insgesamt etwas in die Jahre gekommen ist. Daran konnte auch das kleine Facelift nicht viel ändern. Immerhin beschert es dem kompakten Coupé außen vor allem neue LED-Tagfahrlichter und innen höherwertige Materialien sowie modernere Details.

Der M2 ist und bleibt so oder so ein alltagstauglicher 2er mit gutem Raumangebot vorn, ausreichend Platz hinten für zwei und mit 390 Litern relativ großem Kofferraum. Dazu gehört aber eben auch das klassische Cockpit mit „echter“ Handbremse. Parksensoren gibt es nur am Heck, wo gegen Aufpreis eine Rückfahrkamera zusätzlich hilft. Das Infotainment mit festem 8,8-Zoll-Display und Steuerung per iDrive Touch Controller kennen wir per se schon seit einigen Jahren aus anderen BMW-Baureihen, dank erweiterter Konnektivität wird es wohl aber den meisten M2-Piloten, schließen sitzen sie in einer Fahrmaschine und nicht in einer Limousine und einem SUV.

Bei sportlicher Fahrweise interessanter sind die auf dem Display abrufbaren Leistungsdaten in kW (leider nicht PS) und Nm sowie Reifendruck- und Temperatur. Hinzu kommen die Optionen, per BMW M Laptimer App noch detailliertere Infos aufzuzeichnen, die Daten direkt per OBD-Stick auszulesen und die per spezieller Fixierung angebrachten GoPros per Laptimer App fernzusteuern. Weitere Gimmicks aus dem offiziellen Zubehörprogramm sind der Klappenauspuff mit Bluetooth-Steuerung und das M Performance Lenkrad II mit „Race Display“, also integrierten LEDs für den perfekten Schaltpunkt.

Serienmäßig gefällt uns das filigrane Lenkrad mit dickem Kranz und M-farbigen Nähten, das gerne noch kleiner im Durchmesser sein könnte. Optional ist es auch beheizbar, ebenso wie ab Werk die Sitze, die wiederum gegen Aufpreis elektrische verstellbar sind. Eine Belüftung gibt es allerdings ebenso wenig wie farbiges Leder oder noch sportlichere Schalensitze. Bis auf ein Zubehör-Paket mit Alcantara- und Carbon-Details bietet BMW für den M2 zumindest direkt bestellbar nur relativ wenige Möglichkeiten zur Individualisierung an. Die türkisen Nähte der Sitze passen zwar gut zur Lackierung unseres Testwagens in „Long Beach Blau Metallic“, aber ob sie auch jeder bei den drei anderen Lacktönen Alpinweiß Uni, Mineralgrau Metallic oder Black Sapphire Metallic haben möchte?

Bei einem so potenten Kompaktsportler wie dem M2 finden wir es weniger relevant, dass der Verbrauch offiziell im Durchschnitt bei 7,9 Liter auf 100 km – in Realität wohl meistens über 10 Liter – liegt und das Angebot an Assistenz- und Sicherheitssystem im Vergleich zu moderneren BMWs und Konkurrenten eher begrenzt sind. Wer mit seinem M2 öfters auf Rennstrecken geht, wünscht sich anstelle der serienmäßigen M Compound Bremsen lieber die Option auf Carbon-Keramik-Stopper für noch mehr Ausdauer unter harten Bedingungen. Schade, dass es diese (noch) nicht gibt, scheint er doch prädestiniert für Ausflüge auf abgesperrtem Terrain. Vielleicht folgt ja doch noch ein Track-Package oder gar eine nachgeschärfte CS- oder CSL-Variante wie beim größeren M4. Den Mehrpreis würden M-Enthusiasten sicher gerne zahlen. Ein Schnäppchen ist der M2 aber schon jetzt auch nicht.

Ab 59.500 Euro mit Handschaltung oder 63.400 mit Doppelkupplungsgetriebe geht es los. Mit einigen Extras können daraus jedoch schnell über 70.000 werden. (Echte) Freude am Fahren war und ist eben nicht günstig, aber es wert!

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