Unter Strom: BMW i3 im ersten Fahrbericht

16.10.2013 | Christian Sauer | Testrides

BMW i3 Drivers Club Germany Fahrbericht Testdrive

Nachdem wir den BMW i3 im Stand schon bei seiner Weltpremiere in London und auf der IAA in Frankfurt als Beifahrer erleben konnten, war es nun Zeit für einen Selbstversuch – hier der Fahrbericht unseres Chefredakteurs Christian Sauer aus Amsterdam.

Warum findet die Internationale Fahrveranstaltung gerade in Holland statt? Will BMW nun auch noch die Fähigkeiten des elektrischen Multitalents i3 als Zugfahrzeug für Wohnwagen beweisen oder eine Amphibienversion für die Grachten präsentieren? Genug der Scherze, die Niederlande und speziell der Großraum Amsterdam bieten sich aus vielerlei Gründen an. Wie beispielsweise auch Norwegen fördert unser Nachbarland Elektrofahrzeuge nicht nur steuerlich, sie können vieler Orts ebenfalls kostenlos parken und sogar gratis aufladen. Doch dazu später mehr, schließlich ist unser i3-Testwagen voll geladen und zeigt knapp über 160 km Reichweite an. Das sollte doch locker für die von BMW empfohlene Route zum Küstenort Zandvort und zurück nach Amsterdam reichen, oder?

Über das Design des i3 lässt sich trefflich streiten – einige loben es als mutig und modern – andere als hässlich und skurril. Davon sollte sich am besten jeder selbst ein Bild und eine Meinung machen. Bemerkenswert ist, wie viel Platz der nur 3,99 m kurze BMW innen bietet. Durch das separate Fach für Ladekabel, Warndreieck & Co. im Frontbereich, wo bei anderen Autos der Verbrennungsmotor zu finden ist, lässt sich im 260 Liter großen Kofferraum im Heck locker das Gepäck für zwei Personen verstauen. Falls nötig, sind zudem die Rücksitzlehnen umklappbar. Wer den Weg in die zweite Reihe sucht, muss jeweils erst die vordere Tür öffnen und dann erst die gegenläufige hintere Tür. Ob das im Alltag praktikabel und sinnvoll ist, sei dahingestellt. Ebenso fraglich bleibt, ob die Vergrößerung der Seitenscheiben hinten es aufwiegen kann, dass sich diese nicht öffnen lassen. Wahrscheinlich werden sowieso zumeist nur ein oder zwei, recht wohl situierte Großstadtbewohner die Besatzung des Stromers bilden. Sie erwartet ein futuristisches Cockpit mit einem bis dato so noch nicht gesehenen Materialmix aus natürlich bearbeitetem Leder oder Wolle, offenporigem Eukalyptusholz und Recycling-Elementen aus Fasern der Kenaf-Pflanze.

 

Während die Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck hinterlässt, wirkt die Mixtur aus gewöhnlichen Knöpfen anderer BMW-Modelle zusammen mit neuen Bedienelementen weniger stimmig. Das stufenlose Automatikgetriebe lässt sich mit einem Drehschalter seitlich neben dem zweispeichigen Lenkrad bedienen. Zusätzlich zum hochauflösenden, 10,2 Zoll großen, Display in der Mitte gibt es ein weiteres 5,7-Zoll-TFT-Display anstelle konventioneller Instrumente. Doch nach dem geräuschlosen Start des Motors zeigt sich allerdings, dass nur auf einem recht schmalen Streifen die wichtigsten Infos wie Geschwindigkeit und Reichweite angezeigt werden. Auf ein Head-Up-Display musste BMW beim i3 verzichten, da sich das Armaturenbrett ähnlich wie in einem Van viel Luft zur Windschutzscheibe lässt. Die hohe Sitzposition erinnert ebenfalls daran und könnte den edlen Elektro-Kleinwagen dadurch vielleicht sogar zur Alternative für SUV-Interessenten machen. Trotz der kompakten Maße und des geradezu winzigen Wendekreises von nur 9,86 m, gestalten sich Rangierversuche zuerst etwas schwierig, da wir das vordere und hintere Ende des i3 nur erahnen können. Gegen Aufpreis gibt es ringsum Parksensoren und eine Rückfahrkamera.