BMW 7er: Freude am Fahren (lassen)

22.04.2016 | Christian Sauer | Testrides

BMW 730d Drivers Club Germany
In unserem Fahrbericht testen wir, ob das bayrische Flaggschiff „nur“ die Summe seiner Features darstellt oder auch Charakter besitzt?

Dieser Dreikampf schreibt seit Jahrzehnten automobile Geschichte: Audi vs. BMW vs. Mercedes-Benz. Vor allem die jeweiligen Flaggschiffe A8, 7er und S-Klasse buhlen um die Gunst von Top-Managern oder VIPs in der ersten oder in der zweiten Reihe. Als technologische Sperrspitzen ihrer Konzerne hat zumeist die jüngste Luxuslimousine die Nase vorn, die mit den modernsten Features aufwartet. Während der aktuelle Audi A8 bereits 2009 seine Premiere feierte und wohl nächstes Jahr einen Nachfolger bekommt, galt bis letztes Jahr die seit 2013 produzierte Mercedes S-Klasse als der Primus des Quartetts. Doch dann kam der neue 7er, mit dem BMW dank Carbon-Leichtbau und noch mehr Elektronik dem „Sternenkreuzer“ den Rang abjagen will.

Design meets Hightech

Wie seine ärgsten Konkurrenten Audi A8 und Mercedes-Benz S-Klasse spricht die sechste Generation des 7er optisch die Designsprache der kleineren Limousinen aus gleichem Hause. Mit der aus unserer Sicht gelungenen Symbiose von Eleganz sowie Sportlichkeit wirkt er trotz mehr als fünf Metern Länge kompakter als er tatsächlich ist. Doch das Understatement hört schon dort auf, wo er beginnt – von vorn gibt er auf den ersten Blick eindeutig zu verstehen: „Hier kommt der Boss!“. Dafür sorgen zum einen die sehr breite BMW-Niere und zum anderen die scharf geschnittenen Scheinwerfer mit adaptiver Voll-LED-Technik ab Werk. Gegen Aufpreis weist wie im Flügeltürer BMW i8 innovatives Laserlicht bis zu 600 Meter – doppelt so weit wie mit LEDs – voraus den richtigen Weg durch die Dunkelheit. Doch damit nicht genug der Parallelen zum nachhaltigen Vorzeigemodell i8:, Eine der wichtigsten Rollen zur Minimierung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen bei gleichzeitiger Maximierung der Dynamik und des Fahrspaßes spielt das Gewicht. Und obwohl Luxus und Größe von Natur aus schwer wiegen, hat BMW durch den aufwendigen Einsatz von Carbon als Ergänzung zu Aluminium und Stahl das Leergewicht der meisten 7er Versionen auf knapp unter zwei Tonnen drücken können.

 

Wie beim i8 können nachhaltig denkende und lebende Kunden den 7er auch als Plug-in-Hybrid bestellen. Zusammen mit dem 2,0 Liter kleinen Vierzylinder-Benziner bringt es der Elektroantrieb im 740e auf insgesamt 326 PS und 500 Nm Drehmoment. Bemerkenswert ist, dass der Hybrid wie alle Varianten des 7er auch mit xDrive-Allradantrieb bestellbar ist und grundsätzlich eine 8-Stufen-Automatik besitzt. Als offiziellen Durchschnittsverbrauch gibt BMW 2,1 Liter für die Heckantriebs-Version an, was 49 g CO2 entspricht. Rein elektrisch sollen durch die Lithium-Ionen-Batterie 40 km Reichweite und 120 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich sein. Hierzulande werden sich mehr Käufer zumindest absehbar jedoch für die 3,0 Liter großen V6-Benziner- oder Diesel-Motorisierungen finden, die mit dem 730d starten. Auf dem Papier mag er mit 265 PS untermotorisiert wirken, doch dank 620 Nm absolviert er den Standardsprint auf Tempo 100 in knapp sechs Sekunden. Dabei hält sich der laufruhige Selbstzylinder akustisch vornehm zurück und bietet durch seinen geringen Verbrauch – offiziell rund fünf Liter – bei 78 Liter Tankinhalt eine Reichweite von über 1.000 Kilometern. Minimal durstiger zeigt sich der 740d als stärkster Diesel mit 320 PS / 680 Nm.

Bis zu 600 PS Leistung!

Wer in der Oberklasse „standesgemäß“ doch lieber auf einen Benziner setzt, hat die Wahl zwischen drei Motorisierungen – dem Sechszylinder 740i samt 326 PS / 450 Nm, dem 750i mit seinem 450 PS / 650 Nm starken 4,4-Liter-V8 und dem 760Li. Die erst kürzlich vorgestellte V12-Top-Motorisierung schöpft aus 6,6 Liter Hubraum satte 600 PS und 800 Nm. Als erster 7er überhaupt darf er das M-Logo der BMW M(otorsport) GmbH tragen und aus Sicht vieler Fans nicht nur wegen seinen Fahrleistungen (3,9 s auf Tempo 100 sowie 305 km/h Topspeed) endlich auf Augenhöhe mit dem Mercedes-AMG S65 um die Krone der deutschen Sportlimousinen kämpfen.