Best of 2015: Bentley Mulsanne Speed

28.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

Bentley Mulsanne Speed Test

Der unverändert 5,57 Meter lange, 1,92 Meter breite und 1,52 Meter hohe Mulsanne liegt erwartungsgemäß stabil und sicher auf der Geraden. Für eine spürbar bessere Dynamik in Kurven strafft der „Sport“-Modus das adaptive Luftfahrwerk und die Lenkung reagiert direkter. Dennoch wird damit aus der ebenso großen wie schweren Limousine kein Sportwagen. Einen großen Anteil am entspannten Fahren hat die komfortable Fahrwerks-Abstimmung, die uns trotz des verbesserten Handlings über alle Unwegsamkeiten hinweg schweben lässt. Den großzügigen „Sesseln“ der ersten Reihe wollen wir selbst nach langen Touren nicht den Rücken kehren, schließlich lassen sie sich nicht nur elektrisch verstellen, beheizen und belüften – ihre (einstufige) Massagefunktion wirkt wie ein kurzer Wellness-Urlaub. Für „Entschleunigung“ sorgen ebenfalls die klassischen Instrumente, die von digitalen Anzeigen diskret ergänzt werden. Das moderne Infotainment-System mit hervor gleitenden Display, integriertem WLAN-Router und 60 GB großer Festplatte lässt sich mit einem 2.200 Watt starken Soundsystem des britischen Audio-Spezialisten Naim kombinieren.

 

Wer hinter den riesigen Fondtüren in der zweiten Reihe Platz nimmt, bekommt noch mehr Unterhaltung geboten. Falls die 8-Zoll-Displays in den Kopfstützen der Vordersitze nicht ausreichen, können auf Wunsch belederte Tische elektrisch ausgefahren und dort ein iPad samt Tastatur befestigen werden. Für den perfekten Sichtschutz sorgen optional Gardinen, die per Knopfdruck den kompletten Fond abdunkeln. In unserem Testwagen waren die ebenso in Schwarz gehalten, wie die sehr edle Volllederausstattung des gesamten Innenraums. Gegen Aufpreis sind neben gestickten Bentley-Emblemen auch die traditionelle Steppung im Diamantenmuster und 24 verschiedene Lederfarben erhältlich. Als Alternative zu den unterschiedlichen Holzfurnieren werden die Zierelemente auch im schwarzen Pianolack mit Carbon-Einlagen angeboten. Die Möglichkeiten zur Individualisierung sind nahezu unbegrenzt und die Qualität der Materialien sowie deren Verarbeitung perfekt. Alles wirkt extrem hochwertig und die chromglänzenden Details massiv. Ein vergleichbar luxuriöses Ambiente ist ansonsten nur bei Rolls-Royce zu finden.

Innovationen wie die einstellbare Ambientebeleuchtung und richtige Liegesitze in der kürzlich von uns getesteten Mercedes-Benz S-Klasse Maybach suchen wir im Mulsanne Speed zwar vergebens, dennoch fällt die Entscheidung zwischen dem Fahrersitz oder einem Sitz im Fond schwer. Fürstliche Platzverhältnisse und Einzelsitze mit den gleichen Features wie vorn empfehlen den Bentley ebenfalls als erstklassige Chauffeurs-Limousine. „First Class“ zeigt sich allerdings auch der Preis: Unser Testwagen inklusive Luxus-Sonderausstattungen wie die gekühlte Bordbar mit Champagner-Gläsern im Wert von insgesamt 63.000 Euro kostet sage und schreibe 335.000 Euro! Das ist deutlich mehr als Mercedes-Benz für den S 65 AMG oder Bentley für den Flying Spur verlangt. Die Rolls-Royce Modelle Ghost Series 2 und Phantom sind ab Werk noch kostspieliger, aber längst nicht so vielseitig wie der Mulsanne Speed, dem somit eine ganz besondere Rolle in der High Society gebührt. Es stellt ein faszinierendes Automobil dar, das Leistung und Luxus im Überfluss bietet.