625 PS Understatement: Bentley New Flying Spur

22.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Bentley New Flying Spur Drivers Club Germany 2

Im Komfort-Modus schwebt die 2,5 Tonnen schwere Limousine über alle Unwegsamkeiten hinweg und gleitet majestätisch, scheinbar unbeeindruckt von allen äußeren Einflüssen über die Straße. Dabei wirkt die Lenkung nie indirekt, sondern vermittelt immer Handlichkeit. Das steigert sich weiter, wenn der Fahrer auf dem acht Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole das Fahrwerk in Richtung Sport trimmt. Die Dämpfer reduzieren dann noch stärker die Seitenneigung in Kurven, ohne dass die Geschmeidigkeit darunter leidet. Auf der Landstraße ertappen wir uns fast zu vergessen, in was für einem großen und schweren Wagen wir sitzen. Dafür sorgt dann aber wieder der stabile Geradeauslauf auf der Autobahn. Dort ist auch der beste Platz, um dem Flying Spur mehr von seinen immensen Kraftreserven zu entlocken.

 

Damit geht er nämlich nicht hausieren, sondern eher zurückhaltend um. Mehr als ein tiefes Fauchen ist beim Start per Knopfdruck nicht zu vernehmen. Das ändert sich auch nicht wirklich, bis der Gasfuß per Kickdown oder Einlegen des Sport-Modus der 8-Stufen-Automatik von ZF eine verschärfte Gangart einläutet. Zwar lässt sich auch manuell mit dem nicht nur schön anzusehenden Schalthebel oder den ergonomisch leider immer noch nicht optimal angebrachten, festen Schaltpaddels eingreifen, aber die Automatik verrichtet ihre Arbeit tadellos. An ihr liegt es sicher auch nicht, dass sich der Bentley gefühlt einen kurzen Moment Zeit nimmt, um dann mit vollem Schub sein Unterstatement hinter sich zu lassen. Das volle Drehmoment liegt bereits ab 2.000 Touren an und drückt die maximal vier oder fünf VIPs an Bord mit aller Macht in ihre Sitze.

Wenn der Drehzahlmesser in den klassischen Rundinstrumente die 5.000er Marke passiert, nähert sich nicht nur die Leistung ihrem Höhepunkt, sondern auch der Sound. Nun darf der Flying Spur endlich einmal seine Stimme erheben und nicht nur der Außenwelt verkünden, welche Ausnahmestellung er besitzt. Beim Grundpreis von fast 200.000 Euro sind Konkurrenten rar gesät. Der Rolls-Royce Ghost besitzt zwar eine vergleichbare Exklusivität, ist aber längt nicht so sportlich wie der Bentley. Paroli bieten kann ihm eigentlich nur der neue Mercedes-Benz S 65 AMG mit 630 PS und 1.000 Nm Drehmoment. Trotz modernster Hightech-Ausstattung fehlt es dem Topmodell der S-Klasse im Vergleich mit dem Flying Spur aber immer noch an Flair und Charakter. Diese besondere Atmosphäre mit handverlesenem Leder und Holz, sowie traditionelle Details aus echtem Metall lassen so manche elektronische „Features“ vergessen. Und doch werden vor allem jüngere Kunden den WLAN-Hotspot, die optionalen 10-Zoll-Bildschirme in den Rücklehnen der Vordersitze, sowie die aus der hinteren Mittelkonsole herausnehmbare Touchscreen-Fernbedienung zu schätzen wissen. Es ist eben das vielseitige Gesamtpaket, das den Bentley New Flying Spur seine Faszination verleiht.