AvD Oldtimer Grand Prix 2017 Highlights

17.08.2017 | Christian Sauer | Lifestyle, News, Testrides

Bei der größten Klassiker-Rennsport- Veranstaltung Kontinentaleuropas waren wir auf dem Nürburgring hautnah an PS-Boliden à la Porsche 917 sowie den automobilen Schätzchen von Jaguar und Skoda dran. Mit den schönen Tschechen ging es direkt auf die Grand Prix Strecke.

Wenn der Kalender nicht August anzeigen würde, hätte es auch schon November sein können – aber so ist nun mal die Eifel mit dem unberechenbaren Wetter. Dauerregen, Kälte und Nebel hatten die „Petrolheads“ aus ganz Europa und weiter entfernt nicht verdient, die sich bereits am Freitag am Ring einfanden. Während die ersten Trainings auf der Grand Prix Strecke zum „Aufwärmen“ der Rennwagen genutzt wurden, stand nach letztem Jahr das zweite Mal der OGP Trackday auf der Nordschleife an. Doch im Nassen drehten die meisten der eingeladenen Piloten mit ihren modernen oder klassischen Sportwagen eher behutsame Runden. Gleiches galt am nächsten Morgen bei unverändert schlechten Wetterbedingungen auf dem GP-Kurs beim Ferrari-Corso anlässlich des 70. Geburtstages der italienischen Kultmarke aus Maranello. Während die Straßensportler jüngerem Baujahres auf elektronische Helfer vertrauen können, müssen bekanntlich die historischen Racer darauf verzichten.

Die meisterhafte Beherrschung der überwiegend analogen und mechanischen Technik macht für viele Fahrer sowie den fleißigen Teammitgliedern und Zuschauern jeden Alters sicherlich den ganz besonderen Reiz aus. Davon lebt der Oldtimer Grand Prix bereits seit 45 Jahren und trotz allen Unkenrufen scheint beim Blick auf die trotz des Wetters gut gefüllten Tribünen und ins offene Fahrerlager das auch so zu bleiben. Das abwechslungsreiche Programm mit fast 30 Trainings und Rennen in den unterschiedlichsten Kategorien fasziniert. Ob Hubraum- und Kompressor-Boliden aus der Vorkriegsepoche, über offene Monoposti mit der glorreichen Formel 1 als Krönung bis hin zu Sport- und Tourenwagen aus den 90er Jahren – für nahezu jeden Rennsportfan war wieder etwas dabei. Eins der zahllosen Highlights stellte der legendäre 1970er Porsche 917 als Kurzheck-Variante im typischen Martini-Racing-Look dar. Der 600 PS starke Zwölfzylinder, dessen Schwesterauto im gleichen Jahr erstmals für Porsche den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewann, ist extrem selten und noch seltener in Aktion zu erleben. Kurios: das Monaco-Kennzeichen am Heck!

Über öffentliche Straßen kamen auch dieses Jahr wieder hunderte Porsche-Besitzer mit ihren Schätzchen zum Ring. Penibel nach Baureihen aufgestellt, nahmen die Zuffenhausener und Leipziger den größten Teil des Autoclub-Areals ein. Sehr gefragt waren Autogramme von und Fotos mit dem kalifornischen Porsche-Sammler und -Veredler Magnus Walker mit seinem auffälligen Look. Zeitgleich zelebrierte die werkseigene Klassikabteilung den 40. Geburtstag des 928er mit mehreren Prototypen wie der Cabrio- und Shooting-Brake-Varianten, die nie in Serie gingen. Doch auch die bis 1995 gebauten Coupés mit ihren maximal 350 PS starken V8-Frontmotoren konnten nicht an die Beliebtheit des 911er heranreichen. Dessen neueste Generation präsentierte sich farbenfroh am Stand der Porsche Exclusive Manufaktur. Das Zubehör von Porsche Tequipment und das Angebot von Porsche Drive, spontan einen der begehrten Sportwagen für eine Stunde oder länger zu mieten, war ebenfalls am Start.

Wer den Blick aus der Aussichtsgondel am Kran wagte, wurde mit einem grandiosen Panorama über den Nürburgring belohnt. Traditionell vertreten waren auch dieses Mal wieder die Isdera-Enthusiasten mit ihren Imperator, Spyder, dem Commendatore und dem Autobahnkurier vor Ort. Im Vergleich zu den Exoten aus Hildesheim bekannter und häufiger, waren die bereits erwähnten Ferraris, die Maseratis und Alfa Romeos mit ihren Clubs. Insbesondere Fiats Premiummarke, mit der es dank der neuen Giulia und dem Stelvio als SUV nach wirtschaftlich schwierigen Jahren wieder deutlich aufwärts geht, begeisterte mit ebenso schönen wie vielen Modellen im Stand und direkt nebenan auf der Rennstrecke. Genau dort bewies ja die Gulia Quadrifoglio in unserem Tracktest letztes Jahr bereits ihre dynamischen Qualitäten. Besonders freuten wir uns, genau den Wagen wieder zu sehen, mit dem wir am Wochenende zuvor bei den Classic Days Schloss Dyck um die Ecken drifteten.

Jaguar Land Rover zeigt seit Jahren auf dem großzügigen Areal in der Start-Ziel-Kurve Interessierte das immer vielfältigere Spektrum neuer Modelle und legendäre Klassiker. Deutschlandpremiere feierten diesmal der Jaguar XF Sportbrake, der als schicker Kombi die „Lücke“ zwischen der XF Limousine und dem F-Pace als SUV schließt sowie der mächtige Range Rover Velar. Während Sternekoch Holger Stromberg, der zehn Jahr die Fußball-Nationalmannschaft bekochte und in Sachen gesunde Ernährung beriet, mit seinem Team kulinarische Highlights im Jaguar Village servierte, zelebrierte Jaguar erneut einige spektakuläre Klassiker.

Als erster Supersportwagen der Kultmarke gilt der XKSS, die Straßenversion des mehrfachen Le Mans Gewinners D-Type. Vom XKSS wurden ursprünglich nur 16 Exemplare gebaut, bevor ein Brand die anderen neun geplanten Wagen zerstörte. Diese werden nun nach Originalplänen wieder aufgebaut und jeweils für rund eine Million Pfund verkauft. Für rund eine halbe Million Euro werden derzeit sehr wenige der insgesamt 275 gebauten XJ220 gehandelt. Der fast fünf Meter lange Supersportwagen feierte beim OGP sein 25. Jubiläum. Schade fanden wir – und sicherlich viele der Gäste ebenfalls – dass weder der mit 342 km/h seiner Zeit schnellste Straßensportler samt 549 PS starkem 3,5-Liter-V6-Turbo, noch die anderen Klassiker live auf dem Nürburgring zu erleben waren.

Wie gut dies im Rahmen eines Demolaufs zwischen zwei Rennen möglich war und ist, bewies Skoda. Nicht nur eingefleischte Marken-Fans verlockten, als die fast 50 Fahrzeuge des tschechischen Traditionsherstellers unterschiedlich schnell über den Grand Prix Kurs cruisten oder rasten. Das Spektrum reichte von reinrassigen Rennwagen wie dem roten 1100 OHC von 1958 und dem 1968er Formel 3, über Vorkriegsmodelle à la Popular Roadster und der 200 Mal gebauten Luxuslimousine Superb 640, bis hin zu den sportlichen Modellen aus den 70er und 80er Jahren. Während der siebenfache deutsche Rallye-Meister Matthias Kahle den „Porsche des Ostens“ Skoda 130 RS pilotierte, konnten wir die Parade in einem wunderschönen Felicia Cabrio aus dem Jahr 1959 begleiten. Spätestens hier zeigte sich wieder, dass sich Skoda nicht vor den westlichen Marken verstecken muss und noch nie musste.

Und so endete für uns von Drivers Club Germany der dritte Tag des 45. AvD Oldtimer Grand Prix sogar noch versöhnlich mit Sonnenschein. Doch auch bei Regen kommen wir und viele automobile Enthusiasten immer wieder gerne in die Eifel!

Zu guter Letzt haben wir noch einige Impressionen von den Rennen und aus dem Fahrerlager. Weitere tolle Fotos gibt es auf der Website des OGPs  (www.avd-ogp.de/medien-bilder/)