Autostadt @ Classic Days Schloss Dyck 2018

06.08.2018 | Christian Sauer | Lifestyle, Testrides

Die Wolfsburger brachten zahlreiche Raritäten aus den verschiedensten Dekaden mit ins Rheinland. Dabei spielte das Pikes Peak Bergrennen eine besondere Rolle. Wir fuhren im rund 600 PS starken Bi-Motor-Golf auf der Strecke.

Im Zeichen des Hirsches standen dieses Jahr wieder die ’72 Stagpower, vier Porsche Rennwagen vom 914/6 über den 956 bis zum 962 mit der typisch orangen Jägermeister-Lackierung. Pilotiert wurden sie unter anderem von Rallye-Ikone Walter Röhrl, dessen Autogramme und Fotos bei den Fans wie immer heiß begehrt waren. Während Hans Joachim „Striezel“ Stuck außerdem einen Lamborghini Countach aus der Autostadt in Wolfsburg fuhr, nahm uns deren Geschäftsführer Roland Clement in einem traumhaften 1982er Porsche 911 Turbo (930 3.3) mit 300 PS mit.

Kaum zu glauben, aber diese Fahrt wurde noch übertroffen und zwar durch einen Golf. Allerdings war es kein gewöhnlicher Golf II, sondern um einen von nur noch zwei existierenden Bi-Motor Rennwagen mit zwei Motoren für das legendäre US-Bergrennen Pikes Peak 1987. Unter der Motorhaube vorn und im Heck wurde jeweils ein Vierventiler aus dem damaligen Golf GTI verbaut, dem mit Turboaufladung Beine gemacht wurde. Die Gesamtleistung von 653 PS und der Allradantrieb schienen vielversprechend.

„Pikes Peak gehört zu den absoluten Highlights meiner Karriere“, sagt der damalige Fahrer Jochi Kleint kurz vor unserer Fahrt und ergänzt „Das Doppelherz, die ausgewogene Gewichtsverteilung zwischen vorn und hinten sowie die vier angetriebenen Räder waren auf losem Untergrund super!“ Doch dann erlebte der Rallye-Europameister von 1979 einen Alptraum: Nach toller Zwischenzeit und mit Chancen auf den Sieg die Zielflagge schon in Sicht, bemerkt er ein Problem mit der vorderen Radaufhängung. Ein winzig kleiner Schmiernippel bricht und beendet das Rennen in die Wolken.

Dem einen Pech, dem anderen Glück – sein guter Freund Walter Röhrl siegte und Audi zog sich nach sechs Siegen in Folge erfolgreich vom Pikes Peak zurück. Lange wurde es ruhig um den Bi-Motor Golf und als wir ihn vor einigen Jahren in einer „geheimen“ Halle von Volkswagen Classic in Wolfsburg wiedersahen, ging es ihm gar nicht gut. Der eklatante Ölverlust schien nicht zu stoppen und ein dynamisches Comeback nahezu ausgeschlossen. Doch im Zuge des erneuten Starts von VW dieses Jahr am Pikes Peak, wurde viel Mühe und Zeit investiert, um den Über-Golf wieder fit zu bekommen.

Das Resultat ist ein atemberaubend beschleunigender, ohrenbetäubend brüllender und (auf Asphalt mit Slicks) wild jeder Bodenwelle hinterherlaufender Bolide. „31 sind eine lange Zeit, aber als ich das erste Mal wieder gefahren bin, hat alles gepasst und so viel Spaß gemacht – wer fährt schon mit zwei Motoren durch die Gegend!“, freut sich Jochi Kleint sichtlich. Ohne den Erfolg schmälern zu wollen, aber auf der heutzutage asphaltierten Bergstraße hinauf zum 4.301 Meter hohen Gipfel zu gewinnen, ist nicht mit den Schotter-Rennen von damals zu vergleichen.

Dennoch ist der Sieg von Romain Dumas am Steuer des vollelektrischen Volkswagen I.D. R in der Rekordzeit von 7 Minuten und 57 Sekunden natürlich geschichtsträchtig und ein Meilenstein für die Wolfsburger. Schade fanden wir und sicher auch viele der Zuschauscher bei den Classic Days Schloss Dyck jedoch, dass die flache Flunder bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland und anders als beim Goodwood Festival of Speed vor wenigen Wochen nur im Stand und nicht dynamisch auf der Strecke präsentiert wurde. Vielleicht kommt der I.D. R aber nächstes Jahr wieder mit und darf dann seine spektakuläre Beschleunigung vorführen. Wir schon gespannt, welche Raritäten die Autostadt und VW Classic aus Wolfsburg mitbringen werden!

Weitere Highlights von den Classic Days Schloss Dyck 2018 …

Teil 1: Best of Classic Days Schloss Dyck 2018
Teil 3: FCE Heritage mit Alfa Romeo Selvio Quadrifoglio und Fiat 124 Sport
Teil 4: Jaguar Land Rover mit Range Rover Classic
Teil 5: Mercedes-Benz mit Prinz-Heinrich Wagen