Mit Herz und Verstand: Audi SQ5 im Fahrbericht

01.02.2014 | Christian Sauer | Testrides

Audi SQ5 3.0 TDI Drivers Club Germany 1
Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer testet den ersten Selbstzünder der quattro GmbH. Wie viel Spaß kann ein Diesel machen?

Um eins gleich vorweg zu nehmen – der Sound hat uns positiv überrascht. Nur beim Kaltstart hört man überhaupt etwas vom Diesel. Sobald sich der Audi SQ5 3.0 TDI quattro in Bewegung setzt, ist im Cockpit nichts mehr davon zu vernehmen. Vielmehr haben die Sound-Designer ganze Arbeit geleistet und dank Soundaktuator, einer Art Lautsprecher in der Abgasanlage, eine Klangkulisse komponiert, die vor allem im Sport-Modus schon fast an einen dicken V8-Motor erinnert. An Hubraum mangelt es dem Audi mit drei Litern nicht, dafür kommen „nur“ sechs Zylinder zum Einsatz. Gleich zwei, in Reihe geschaltete Turbolader steigern die Leistung auf 313 PS ab 3.900 Umdrehungen. Bereits ab 1.450 liegt das maximale Drehmoment von 650 Nm an.

Zum Vergleich: Die Exportversion des SQ5 für Amerika und Asien mit identisch großem Sechszylinder-Benziner kommt dank Kompressor zwar auf 354 PS, allerdings erst ab 6.000 Touren. In der Praxis noch wichtiger, fällt das Drehmoment mit 470 Nm deutlich geringer aus und braucht dazu 4.000 Touren. Im Durchschnitt sollen 8,5 Liter Super für 100 km reichen. Mit 6,8 Litern Diesel begnügt sich unser Testwagen offiziell. Selbst wenn dieser Wert im Alltag schwierig zu erreichen ist – der Bordcomputer zeigt über neun Liter an – liegen die Vorteile doch auf der Hand. Da verwundert es doch, dass die Amis trotz intensiven Bemühungen in den letzten Jahren kaum von modernen Selbstzündern zu überzeugen sind. Wenn es schon der Q7 V12 TDI nicht schaffte, hätte der SQ5 als Diesel doch beste Voraussetzungen geboten.

 

Den Standardsprint auf Tempo 100 absolviert der sparsame(re) Zweitonner mit 5,1 Sekunden sogar einen Wimpernschlag schneller als sein vermeintlich stärkerer Bruder und die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden auf 250 km/h begrenzt. Druckvoll hängt der TDI am Gas und dreht sogar recht willig hoch. Bei der Durchzugskraft ist das aber eigentlich gar nicht nötig. Meistens touchiert die Nadel des Drehzahlmessers nicht einmal die 2.000 und bei Bedarf schaltet die 8-Stufen-tiptronic reaktionsschnell automatisch oder per manuellem Befehl runter. Wer will, kann an den Schaltpaddel spielen oder gleich den Sportgang aktivieren.

Ein noch individuelleres Setup ermöglicht das optionale Audi drive select. Damit lassen sich unabhängig voneinander Motor/Getriebe, der Motorsound, sowie die optionale Dynamiklenkung konfigurieren. Da für den SQ5 keine adaptive Dämpferregelung angeboten wird, muss man sich mit dem serienmäßigen Sportfahrwerk anfreunden. Das fällt uns nicht schwer, schließlich bietet es trotz der Tieferlegung und bis zu 21 Zoll großen Leichtmetallrädern eine der Leistung angepasste, sportlich straffe Abstimmung mit genügend Restkomfort für längere Fahrten.

Damit korrespondiert die bereits erwähnte Dynamiklenkung, die sich der jeweiligen Fahrsituation anpasst. Bei hoher Geschwindigkeit garantiert sie mit der stufenlos variablen Übersetzung einen stabilen Geradeauslauf und eine überraschende Handlichkeit in Kurven. Traktionsprobleme können wir selbst bei winterlichen Straßenbedingungen nicht feststellen – ganz im Gegenteil – der permanente Allradantrieb mit selbstsperrendem Mittendifferential und radselektiver Momentensteuerung arbeitet unauffällig, nahezu perfekt.