Best of 2015: Audi R8 & R8 LMS

30.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

Audi R8 V10 plus Drivers Club Germany
Wir testeten den neuen Hochleistungssportwagen in Portugal auf kurvigen Landstraßen und auf der anspruchsvollen Rennstrecke von Portimão. Außerdem gab es eine Fahrt im Renn-Taxi R8 LMS mit Markus Winkelhock.

Selten gelingt es einem neuen Fahrzeug-Modell vom Start ab zur Ikone zu werden. Audi ist es 2006 mit der ersten Generation des R8 gelungen. Sein Design begeistere ebenso wie das Mittelmotor-Konzept, das er dank der Synergien im VW-Konzern mit dem Lamborghini Gallardo teilte. Noch letztes Jahr wurde er vor dem Porsche 911 zum begehrtesten Sportwagen deutscher Männer gewählt und zum Technologieträger für Laser-Fernlicht, das nun mit der zweiten Generation des R8 in Serie geht. Zusammen mit den LED-Scheinwerfern und den größeren Lufteinlässen wirkt die Front nun aggressiver, maskuliner und schärfer als beim Vorgänger. In den Dimensionen kaum verändert, setzt sich die neue Formensprache an den Flanken fort, die weiterhin durch sogenannte Sideblades geprägt sind. Beim Blick auf das Heck fällt neben den neu gestalteten Rückleuchten der vom Motorsport inspirierte Diffusor auf. Er sorgt nicht nur für eine sportlichere Optik, sondern stellt zudem einen wichtigen Bestandteil des optimierten Aerodynamik-Paketes dar. Gleiches gilt für den festen Heckflügel, der ebenfalls aus leichtem Carbon gefertigt wird und in der Topversion R8 V10 plus den ausklappenden Heckspoiler ersetzt.

 

Doch das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden derzeit angebotenen Motorisierungen ist natürlich die Leistung: Während der „normale“ R8 V10 bereits 540 PS und exakt so viel Drehmoment aus 5,2 Liter Hubraum schöpft, kommt der V10 plus auf bemerkenswerte 610 PS bei 8.250 und 560 Nm Drehmoment bei 6.500 Touren. Damit sprintet er in 3,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und in 9,9 Sekunden auf 200. Der immense Vortrieb endet erst bei Tempo 330, was ihn zum schnellsten und stärksten Serien-Modell macht, das Audi bis dato auf die Räder gestellt hat. Doch es sind mehr als die reinen Daten, die begeistern und faszinieren. Gemeinsam mit dem eng verwandten Lamborghini Huracán zählt der neue R8 wie sein Vorgänger zu der aussterbenden Gattung von Sportwagen mit zehn Zylindern und Hochdrehzahl-Konzept. Ohne Turbo-Aufladung scheint der Sauger direkt am Gasfuß des Fahrers zu hängen, dreht blitzschnell hoch und untermalt es passend mit einem grandiosen Klang-Feuerwerk. Wer es dezenter mag, kann die Sportauspuffanlage per Knopfdruck auch zähmen. Dies stellt nur eine von zahlreichen Einstellmöglichkeiten dar – dazu später mehr. Keine Wahl haben Interessenten allerdings mehr beim Getriebe. Analog zu den aktuellen Modellen von Lamborghini und Ferrari haben im neuen Audi klassische Handschaltungen mit offener Kulisse ausgedient. Stattdessen wird auf ein sehr schnell und kaum spürbar schaltendes 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen gesetzt.

Es soll auch zur Reduzierung des Verbrauchs beitragen, der offiziell mit 12,3 Litern im Durchschnitt angegeben ist. Die Steigerung der Effizienz soll zudem die unmerkliche Abschaltung von der Hälfte der Zylinder und das „Segeln“ unterstützen, wenn nicht die volle Leistung benötigt wird. Noch sparsamer könnte die neue Einstiegs-Motorisierung des R8 werden, die laut Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg ein Turbo sein wird. Außerdem soll der rein elektrische R8 e-tron demnächst auf Anfrage gebaut werden. Wahrscheinlich wird der Stromer mit aufwendiger Technik deutlich teurer als der V10 plus, in dessen Grundpreis von 187.400 Euro zahlreiche Features wie die ebenso bissigen Keramik-Bremsen serienmäßig sind, die ansonsten extra geordert werden müssten. Gegen Aufpreis lassen sich aber beide R8-Varianten nahezu identisch ausstatten und entweder in Richtung Dynamik oder Komfort trimmen. Dank dem Fahrdynamiksystem drive select mit verschiedensten Möglichkeiten für ein individuelles Setup der wichtigsten Komponenten sowie der adaptiven Dämpferregelung magnetic ride präsentiert sich der Fahrkomfort gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert und für einen potenten Sportwagen sehr kommod. Mit der neu entwickelten elektromechanischen oder der optionalen Dynamiklenkung lässt sich der R8 perfekt in und um Kurven dirigieren. Wie direkt Lenkbefehle umgesetzt werden, wird selbst sehr erfahrende Sportwagen-Piloten begeistern!