Best of 2014: Aston Martin V8 Vantage N430

29.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Aston Martin V8 Vantage N430 Drivers Club Germany 2

Wie seine größeren Brüder wird auch der N430 durch den gläsernen Schlüssel gestartet. Lautstark meldet sich der V8 danach mit seiner Edelstahl-Sportauspuffanlage und aktiven Abgasklappen-Ventilen zu Wort, um dann erstmal wieder leisere Töne anzuschlagen. Beim Getriebe lässt Aston Martin seinen Kunden die Wahlmöglichkeit zwischen dem automatisierten Sportshift 7-Gang-Schaltung in Transaxle-Bauweise mit enger, kurzer Abstufung und Schaltwippen oder wie in unserem Fall, der knackigen 6-Gang-Handschaltung. Eine solche wird von anderen Herstellern heutzutage oft gar nicht mehr angeboten, was viele Enthusiasten bedauern. Einmal an die Kupplung gewöhnt, begeistern die kurzen Schaltwege. Wer den Schleifpunkt perfekt trifft, kann laut Hersteller in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Die dynamische Stabilitätskontrolle wacht darüber, dass sich die Kraft an der Hinterachse nicht in Rauch auflöst. Für den Einsatz auf abgesperrtem Terrain gibt es einen Track-Modus.

Typisch Sauger braucht der 4,7 Liter große Motor aus dem V8 Vantage S hohe Drehzahlen, um zur Höchstform aufzulaufen. So liegen die 436 PS erst bei 7300 Touren und das maximale Drehmoment von 490 Nm ab 5000 an. Parallel dazu baut sich die Klangkulisse auf, die ab 3000 jegliche Zurückhaltung ablegt. Die Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h erreicht der N430 nach etwas längerem Anlauf, denn mit unter 500 PS ist er zwar nicht schwach auf der Brust, aber eben kein Supersportwagen. Er springt auch nicht bei der kleinsten Berührung des Gaspedals nach vorne, was der Beherrschbarkeit vor allem auf nasser Strecke zu Gute kommt. Positiv machen sich dabei ebenso das relativ geringe Gewicht von 1,6 Tonnen und dessen ausgewogene Verteilung bemerkbar.

 

In Kurven liegt der Vantage sicher wie ein Brett. Dank den kompakten Proportionen und der direkten Lenkung lässt er sich wieselflink um Ecken scheuchen. Allerdings wird dafür, wie auch für die Schaltung, eine kraftvolle Hand verlangt. Sportlich hart und ohne nennenswerte Komfortreserven präsentiert sich die Federung, für die keine adaptive Dämpferregelung angeboten wird. Gerade auf schlechten Straßen oder langen Strecken hätten wir von einem Aston Martin mehr Geschmeidigkeit erwartet. Da tröstet das alltagstaugliche Gepäckvolumen von bis zu 300 Litern unter der Heckscheibe und zusätzlichem Platz hinter den Sitzen nur bedingt.

Der N430 ist eben für sehr dynamisches Fahren zum Beispiel auf der Nordschleife gedacht, wo er auch abgestimmt wurde. Dort sollte er problemlos Fans finden, die mindestens 115000 Euro – also rund 10000 Euro mehr als für einen Porsche 911 Carrera S mit 400 PS – zahlen. Die Exklusivität und Individualität eines Aston Martin gibt es ab Werk dazu. Vielleicht ist er sogar eines der letzten Modelle des Traditionsherstellers mit V8-Sauger, schließlich soll die Kooperation mit Mercedes-AMG die Entwicklung neuer (Turbo)Motoren vorantreiben. Die versprechen mehr Leistung bei weniger Verbrauch, aber hoffentlich geht dabei nicht die Faszination verloren.