Aston Martin DB11 – I was made in England

12.07.2017 | Anja Sauer | Testrides

Als Elton John dieses Lied schrieb, war der Aston Martin DB11 noch nicht geboren, aber als unsere Autorin Anja Sauer dieses Schmuckstück in Empfang nahm, fiel ihr dieses Lied auf Anhieb ein. Warum das so ist, zeigt unser Fahrbericht.

Sprachlosigkeit war nach Elton Johns Song das zweite, was mich überkam, als der Aston Martin DB11 in Magnetic Silver aus dem Truck gefahren wurde. Magnetisch trifft es dabei sehr gut, denn der elegante Engländer zieht mich „magnetisch“ an. Schon auf den ersten Blick fällt das atemberaubend neue Design des Nachfolgers des DB9 auf. Die dynamische Form zieht sich von vorne bis zum Heck harmonisch durch. Harmonisches Design kenne ich ja von Aston Martin, aber diese vollendete Ästhetik raubt mir wahrlich den Atem. Er wirkt knackiger und schärfer in der Linienführung als sein Vorgänger ohne dabei seinen britischen Charme zu verlieren. Sein Heck schaut mit den schmalen Rückleuchten und der Abrisskante mit ausfahrendem Spoiler ein kleines bisschen böse aus, was dem Design sehr gut tut und mehr Sportlichkeit verleiht.

Soweit so gut – das Thema Design werde ich beim Interieur noch einmal aufgreifen. Jetzt aber zu den „inneren“ Werten. Ich setze mich ans Steuer und starte den V12-Biturbo. Erneut stockt mir der den Atem, denn sein Sound ist überwältigend – zusätzliche Musik ist da völlig überflüssig, die spielt hinter mir. Nicht zu brachial und aggressiv, aber dennoch kann man schon hören, dass der Aston Martin mit 12 Zylindern und nicht gerade wenigen Pferdchen ausgestattet ist. Der 5,2-Liter-Motor mit 608 PS bei 6.500 Umdrehungen fährt sanft los – doch wehe ich dosiere meinen Gasfuß nicht sensibel, dann schießt er los. Kein Wunder, denn die 700 Nm Drehmoment liegen bei 1.500-5.000 Umdrehungen an. Der Topspeed liegt bei 322 km/h und von null auf einhundert braucht der britische Gentleman mit Acht-Gang-Automatik 3,9 „Sekündchen“ – deshalb nochmal – Vorsicht mit dem Gasfuß.

Er wiegt zwar leer etwa 1900 kg, aber die merkt man beim Fahren gar nicht. Der Aston hat nicht die, wie ich finde, oft spürbare Schwerfälligkeit eines V12. Er wirkt leichtgängig, geht dennoch direkt und präzise in die Kurven, lässt sich aber auch entspannt cruisen. Bedingt durch seinen 270 Liter fassenden Kofferraum kann man mit ihm auch gerne mal einen längeren Ausflug machen, denn bei aller Kraft und Sportlichkeit kommt der Komfort selbstverständlich nicht zu kurz. Für mich verkörpert der DB11 einen waschechten GT.

Nun zum Interieur: Mein Testwagen besticht durch feinste Lederarbeit in der Farbe Sahara Tan. Die Sitze sowie der Dachhimmel mit Nähten in Iron Ore Red sind in kunstvollem Muster perforiert, der Sitzkomfort ist perfekt. Nicht ganz perfekt fühlen sich einige Kunststoffteile an, wie zum Beispiel die Lufteinlässe. Da mein Testobjekt aber noch ein Vorserienmodell ist, ändert sich das vielleicht noch. Was sofort auffällt, ist das Infotainment-System, das von Mercedes Benz stammt sowie die modernen Assistenssysteme, die nun auch bei Aston Martin Einzug gehalten haben. Leider gibt es den hübschen Kristallschlüssel nicht mehr, denn mein Modell fährt keyless. Wer dann doch einmal stilecht den Soundtrack von James Bond hören möchte, der kann sich am glasklaren Sound des 1.000 Watt Bang & Olufsen Beosound Audiosystem erfreuen. Der Motorraum ist im Übrigen nah vorne zu öffnen, mit Domstreben verstärkt und mit Plakette vom jeweils verantwortlichen Mechaniker geschmückt.

Eigentlich brauche ich in diesem Fahrzeugsegment nicht über Preise sprechen – die „Gentlewoman“ genießt und schweigt, aber gut, es gehört ja dazu. Der Startpreis für den Aston Martin DB11 Coupé V12 liegt bei 208.900 Euro. Mein Testmodell kostet inklusive etwa 276 Euro teurem Regenschirm 241.714 Euro. Der V8 wird einen Grundpreis von 184.000 Euro haben. Alle Preise verstehen sich natürlich inklusive Mehrwertsteuer. Der Aston Martin hat mich wieder restlos begeistert. Das elegante Design mit seinem kraftvollen „Herz“ macht einfach Spaß und zieht alle Blicke der Passanten auf sich. Ich bin schon sehr gespannt auf den V8 von AMG mit 510 PS und 675 Nm Drehmoment, den es ab Ende 2017 geben wird sowie auf die Cabrio-Variante (Volante) im nächsten Jahr. Auch sie garantieren wieder Sprachlosigkeit made in England.