Alter Schwede – Der Volvo V60 Plug-In-Hybrid im Test.

24.09.2013 | Dominik Bischoff | Testrides

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Äußerlich wirkt der V60 mit seiner tief heruntergezogenen ‚Schnauze’ und dem breitem Radstand sportlich, beinahe kraftvoll angespannt – die neue Designsprache der Schweden gefällt und lässt die kantigen Urahnen früherer Baureihen nicht vermissen. Wohin die weitere Reise designtechnisch geht, hat Volvo mit einem Concept Car auf der IAA gezeigt. Und das macht definitiv Lust auf mehr. Im Innenraum dagegen herrscht Entspannung pur. Bequeme Ledersitze stützen Kopf und Schulterpartie und geben maximalen Sitzkomfort. Fahrer und Beifahrer haben reichlich Platz nach allen Seiten. Einzig die tiefe Dachlinie weist den gerne höher sitzenden oder groß gewachsenen Fahrgast schnell in seine Grenzen. Beruhigend sind hingegen die zahlreichen Assistenzsysteme. Tote-Winkel-Warner, Verkehrsschilderkennung oder Auffahrschutz-Assistent. Der V60 lässt in Sachen Sicherheit und Komfort kaum Wünsch offen. Sogar ein adaptiver Tempomat ist an Bord – der kann der vorausfahrenden Verkehr autonom folgen und bremst sogar bis zum Stillstand selbständig runter.

Allerdings können die rot blinkenden LED-Balken und eindringlichen Warntöne auch leicht nerven. Denn nicht alle Systeme sind abzuschalten bzw. müssen bei Wunsch jedes Mal neu deaktiviert werden. Während das Armaturenbrett herstellertypisch aufgeräumt und sogar fahrerfreundlich ausgerichtet ist, wirft die Cockpit-Anzeige leider manchmal etwas Verwirrung auf. Der Ladezustand der Batterie und das Zusammenspiel von Elektro- und Diesel-Antrieb sind gerade für Hybrid-Fahranfänger nur schwer nachvollziehbar. Raffinessen wie das ‚Einfrieren’, bzw. ‚Aufbewahren’ der Batterie-Kapazität bei geringem Ladestand über eine ‚SAVE’ Taste, verlieren dadurch ihren Wert.

Noch ein Wort zum Thema Alltagstauglichkeit:  Hybridtypisch ist der Kofferraum, gerade für einen Kombi, natürlich viel zu klein – aber irgendwo müssen bei einem Plug-In-Hybriden ja Akku und E-Motor sitzen. Was im Alltag durchaus problematisch werden kann, sind widersprüchliche Angaben, wann der Akku fertig aufgeladen ist: Zunächst 13.45 Uhr, nimmt man den Stecker kurz ab und steckt ihn wieder ein: 13.15 Uhr! Ein klares Minus für mangelnde Verlässlichkeit und Planbarkeit. Damit eng zusammenhängend und vielleicht noch wichtiger ist der Akt des Aufladens: statt zu laden und ein durchgehend blinkendes grünes Licht zu zeigen, stand die Leuchte am Stecker immer wieder auf gelb, d.h. der Stecker musste zuerst abgenommen und dann wieder eingesteckt werden – mit dem Ergebnis einer kürzeren Restladezeit trotz offensichtlicher Ladepause. Ein ganz klares Minus für mangelnde Verlässlichkeit.

Der luxuriöse Schwede hinterlässt aber insgesamt einen sehr guten Eindruck. Auch wenn einige Details im Alltagsbetrieb wenig intuitiv [Ladezustände, Status der Aufladung, Displayanzeigen] und vielleicht deshalb etwas verwirrend sind, überzeugt das Gesamtkonzept des Diesel Plug-In-Hybriden. Genau wie beim Porsche Panamera S E-Hybrid gilt auch hier: erst in der Premium-Klasse und dann in den unteren Preisregionen. Und dass Hybrid-Konzept mit Dieselantrieb Nachahmer finden wird, dessen sind wir uns fast sicher. Aufgrund der hohen Nachfrage musste Volvo seine Produktionskapazität für den V60 D6 nahezu verdoppeln – und das bei dem vergleichsweise hohen Preis. Wenn das kein vielversprechender Erfolg ist.