Alter Schwede – Der Volvo V60 Plug-In-Hybrid im Test.

24.09.2013 | Dominik Bischoff | Testrides

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Etwas über zwei Tonnen Schwedenstahl, ein bärenstarker Diesel und ein leistungsfähiger E-Motor. Mit diesem Plug-In-Hybrid Konzept ist der Volvo V60 der erste seiner Art und Volvos Antwort auf die Hybrid-Konkurrenz aus Fernost und Europa.

Und die Schweden könnten damit tatsächlich Erfolg haben. Auf die Idee, einen Plug-In-Hybriden mit einem sparsamen Dieselaggregat zu kombinieren, ist in der Tat noch keiner der etablierten Hersteller gekommen. Warum? Vielleicht, weil alles was den V60 D6 so einzigartig macht im Automobilbau enorme Kosten verursacht und ein solches Fahrzeug für die Hersteller kaum kosteneffizient macht. Moderne, sparsame Turbodiesel, große Lithium-Ionen-Akkus und starke E-Motoren samt komplizierter Hochvolt-Steuerung – für den Einstieg in die schwedische Hybrid-Technologie kommen so ganz schnell 58.000 Euro zusammen. Unser Testwagen liegt mit einigen Extras sogar bei knapp 73.000 Euro. Für Otto-Normalverbraucher sicher nicht der geeignete Einstieg in die Welt der nachhaltigen Mobilität. Für Europa aber ein kompromissloses Top-of-the-line-Produkt – das erklärte Ziel der Schweden um ihren technischen Direktor Per-Arne Reinholdsson. Dass dieser Ansatz funktionieren kann, hat schon unser Test mit dem Porsche Panamera S E-Hybrid gezeigt.

Im Alltagstest schlägt sich der Mittelklasse-Kombi zum Preis einer Oberklasse-Limousine aber sehr vernünftig und macht vor allem richtig Spaß. Auch wenn das ein oder andere Detail – speziell zum Aufladevorgang des Plug-In-Hybriden – uns mehr als einmal fragend zurücklässt. Zwar gibt es auch hierfür eine Schnellanleitung, bei tiefergehenden Fragen muss aber nichstdestotrotz die, gefühlt, 1000-seitige Bedienungsanleitung zu Rate gezogen werden. Und das macht dann wiederum keinen Spaß, wenn man einfach nur fahren möchte oder muss. Aber nun zum Fahrerlebnis und das ist im Volvo tatsächlich richtig gut. Los geht die Fahrt immer im Hybrid-Modus – wahlweise stehen per Knopfdruck in der Mittelkonsole noch die Modi Pure und Power zur Auswahl – das heißt, auf den ersten paar Metern immer rein elektrisch. Zum Ausparken reicht die Power eigentlich immer. Ist der Akku leer, übernimmt aber spätestens beim Losfahren der Diesel. Und das so gut wie unmerklich! Überhaupt ist das Zusammenspiel zwischen Diesel und E-Motor äußerst harmonisch und eine echte Glanzleistung der schwedischen Ingenieure. Allerdings braucht es im Pure und Hybrid-Modus einen sehr sanften Gasfuß – ist der hybridtypische Druckpunkt erreicht, schaltet sich stets der Verbrenner dazu. Hat man den Dreh aber raus, ist das elektrische Dahingleiten im Stadtverkehr in dem Premiumkombi eine Wohltat – und provoziert immer wieder verwunderte Blicke: Wie, der läuft schon?

Der E-Motor mit seinen knapp 70 PS kann aber mehr als nur Stadtverkehr. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h taugt der V60 rein elektrisch also auch für die Autobahn. Zusammen mit einer praxisgeprüften Reichweite von etwa 35 Kilometern ist damit der durchschnittliche Arbeitsweg durchaus drin. Und falls der Strom doch mal ausgehen sollte, hat man stets die Sicherheit des Reihenfünfzylinders mit seinen 2,4 Liter Hubraum und 215 PS im Rücken bzw. unter der Haube. Der ist im Power-Modus der Antrieb der Wahl –  aber nicht nur. Denn im Power-Modus ruft der V60 die komplette Systemleistung ab: 215 Diesel-PS werden dann an die Vorderräder, 70 Elektro-PS an die Hinterräder geliefert. Summa summarum 285 PS und Allradantrieb. So macht Hybridfahren Spaß! Nicht ganz so nachhaltig – vor allem der knurrige Sound des Reihenfünfzylinders macht richtig Spaß!