Alfa Romeo – neue Sportlichkeit im Zeichen des Kleeblatts

02.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Alfa Romeo Giulietta QV

Der 4C als ernstzunehmender Konkurrent des Lotus Elise macht nicht nur driftend verdammt viel Spaß und klar könnte das kompakte Leichtgewicht mehr Leistung vertragen, aber den gefundenen Kompromiss von Performance und Preis finden wir gelungen. Laut Alfa zieht die Spaßmaschine zudem viele Neukunden in die Autohäuser und oft kommen sie dort mit unterschriebenen Kaufverträgen für eins der beiden anderen Modelle wieder heraus, die von der italienischen Traditions-Marke derzeit angeboten werden. Ob eine Giulietta als Erstwagen oder ein MiTo für die Frau oder den Nachwuchs – die Strategie der Marketing-Abteilung mit dem Sportwagen als Zugpferd funktioniert anscheinend hervorragend.

 

Eigentlich wollen wir uns gar nicht mehr aus den schmalen Sportsitzen des 4C schälen, aber schließlich steht ja auch noch die gleichstarke Giulietta Giulietta QV mit dem vierblättrigen Kleeblatt auf dem Testprogramm. Italienisch heißt es Quadrifoglio Verde und auf weißem Grund tauchte es als Glücksbringer zum ersten Mal auf dem Alfa Romeo RL auf, mit dem Ugo Sivocci 1923 das Langstreckenrennen Targa Florio auf Sizilien gewann. Seitdem errungen Werksrennwagen damit zahlreiche Weltmeisterschaften in der Formel 1, bei Tourenwagen und Sportprototypen. Ganz im Zeichen dieser erfolgreichen Geschichte soll auch die Giulietta QV stehen, die Alfa Romeo optisch und technisch aufgewertet hat. Die auf 999 Exemplare limitierte Launch Edition, die es ausschließlich im klassischen Rosso Alfa gibt, hebt sich mit Heckspoiler und Außenspiegelgehäuse aus Kohlefaser, spezifischem Front- und Heckschürze, Seitenschweller sowie anthrazitfarbenen 18-Zoll-Leichtmetallräder im Turbinen-Design ab. Aus unserer Sicht aber noch wichtiger sind die Einführung des 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebes und des Voll-Alu-Motors, der dadurch rund 20 kg weniger wiegt. Bei identischer Leistung wie im 4C ergeben sich so sechs Sekunden von null auf einhundert und 240 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Im Gegensatz zum Hecktriebler 4C werden bei der Giulietta QV ausnahmslos die Vorderräder angetrieben und auf eine Allrad-Option verzichtet Alfa leider weiterhin. Doch das vermeintliche Manko fällt selbst auf der Rennstrecke beim Umstieg aus dem reinrassigen Sportwagen in den Fünftürer weniger negativ auf als gedacht. Natürlich macht sich das im Vergleich fast ein Drittel höhere Gewicht bemerkbar, aber dennoch geht es ohne nennenswertes Untersteuern flott um die Kurven und auch auf der Bremse zeigt sie keine Schwächen. Der Sound ist deutlich zurückhaltender als im 4C, aber durchaus hörenswert. Ein Lob verdienen ebenfalls die neuen Sportsitze und die verbesserte Qualität der Materialien und deren Verarbeitung. Alcantara und Leder mit farbigen Kontrastnähten veredeln den dunkel gehaltenen Innenraum mit gutem Platzangebot. Neu für die gesamte Giulietta-Baureihe ist das Infotainment-System Uconnect mit 5,0 oder 6,5 Zoll großem Touchscreen. Beide Varianten ermöglichen per Bluetooth die Einbindung von Smartphones oder externen Musikspeichern, haben AUX- und USB-Anschluss sowie Sprachsteuerung und das zu fairen Aufpreisen. nsgesamt ist der Giulietta QV mit 32.500 Euro Grundpreis allerdings kein Schnäppchen und ein vergleichbarer VW Golf GTI Performance kostet ungefähr das gleiche.

Wer sich mit weniger Pferdestärken begnügt oder einen Diesel bevorzugt, kann neuerdings auch die QV Line mit der Optik sowie der Bremsanlage des Topmodells ordern. Gleiches gilt für den ausschließlich als Dreitürer erhältlichen MiTo. Neben dem neuen Ausstattungspaket wurde auch der 170 PS starker QV überarbeitet. Der 1,4-Liter-Turbo mit maximal 250 Nm verbraucht wie die Giulietta QV nun weniger und bekommt ebenfalls serienmäßig das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Damit sprintet er in 7,3 Sekunden auf 100 und der Vortrieb endet bei 219 km/h. Wie seine große Schwester zeigt sich Brembo für die Verzögerung verantwortlich und auch im sportlichen Fahrverhalten sowie dem Sound steht ihr kaum nach. Wegen seines Preises von 23.700 wird es hierzulande allerdings weiterhin schwer haben, sich vor allem gegen den gleichteuren aber mit 192 PS stärkeren VW Polo GTI zu behaupten, der ebenfalls ein Facelift erhielt. Dennoch präsentieren sich MiTo QV und Giulietta QV als interessante Alternativen mit italienischem Sportsgeist. Der 4C ist dank seines gelungenen Gesamtpakets nahezu konkurrenzlos – zusammen sind die drei Alfa Romeo ein schlagkräftiges Trio. Vielleicht bekommt der 4C irgendwann ja auch noch ein Kleeblatt und mehr Leistung spendiert.