Alfa Romeo – neue Sportlichkeit im Zeichen des Kleeblatts

02.11.2014 | Christian Sauer | Testrides

Alfa Romeo 4C Mito QV
Im Rahmen der „Quadrifoglio Verde Experience“ trieben wir die QV-Versionen von MiTo und Giulietta, sowie den 4C auf der Rennstrecke in Oschersleben ans Limit. Tracktest!

Rund 600 eingefleischte Fans der Marke und noch zu überzeugende Kaufinteressenten hatte die sportliche Fiat-Tochter Alfa Romeo zu einem der insgesamt drei exklusiven Fahrerlebnissen eingeladen. Unter der Anleitung professioneller Instruktoren haben sie dabei die Chance, das dynamische Potenzial der Topmodelle MiTo QV und Giulietta QV zumindest ansatzweise auf der Piste zu erfahren. Wir sind bei der ersten Station in der Motorsport Arena Oschersleben zu Gast und werden nicht nur mit schönstem Herbst-Wetter, sondern auch direkt vom Alfa Romeo 4C begrüßt, in den wir uns bereits letztes bei den ersten Testfahrten auf und rund um die norditalienische Strecke in Balocco verliebten.

 

 Seitdem hat sich Deutschland – noch vor Italien – zwar zum wichtigsten Markt für das kompakte Leichtgewicht entwickelt, aber mit unter 200 hierzulande zugelassenen Exemplaren ist er immer noch ein seltener Anblick auf unseren Straßen. Bedingt durch die aufwendige Bauweise mit Kohlefaser-Monocoque und den geringen Montage-Kapazitäten im Maserati-Werk in Modena beträgt die Wartezeit aktuell rund 18 Monate. Das wird sich wahrscheinlich so schnell auch nicht bessern, denn der Verkauf in den USA läuft gerade an und der bereits als Studie gezeigte Spider wird die Nachfrage ab nächstem Jahr noch weiter anheizen.

Doch bevor wir mit dem 4C nochmal Gas geben, heißt es Kraft tanken mit typisch italienischen Spezialitäten am Buffet und die glorreiche Historie aufsaugen. Dafür stehen die Alfa-Oldtimer, die den kargen Boxen besonderen Glanz verleihen. Während für die anderen Teilnehmer der „Quadrifoglio Verde Experience“ eine Einweisung in das richtige Verhalten auf der Rennstrecke und geführtes Fahren in kleinen Gruppen ansteht, schaltet die Ampel am Ende der Boxengasse für uns bereits auf Grün.

Also flink ins schmale Cockpit der nur 3,98 Meter kurzen, 1,86 Meter breiten und 1,18 Meter flachen Flunder eingestiegen. Doch auch nach zwölf Monaten sieht es nicht gerade elegant aus, wie wir uns in die dünnen Sportsitze und hinter das abgeflachte Zweispeichenlenkrad fädeln. Einmal drin, passt alles wieder und gestartet wird weiterhin per Schlüssel denn per Knopfdruck. Während der optisch zierliche Doppelauspuff außen dumpf röhrt, dominiert innen das Fauchen des Turboladers. Den 4C gibt es ausschließlich mit Doppelkupplungsgetriebe und das ist aus unserer Sicht auch gut so, denn es wechselt die sechs Gänge automatisch oder per Schaltpaddel blitzschnell. Die komplett digitalen Instrumente konzentrieren sich auf die wichtigsten Informationen wie die Drehzah, die bei rund 7.000 endet. Leider verbaut Alfa immer noch das etwas rückständige Radio-Navi und billige Kunststoffe. Doch beim Kaufpreis von rund 50.000 Euro sollte man es der Fahrmaschine verziehen, schließlich überzeugt sie mit anderen Qualitäten.

 

 Wir drücken den DNA-Schalter auf D(ynamik) und fahren den 4C warm. Nach der ersten Runde scheinen die Pirelli-Sportreifen und die Brembo-Bremsen ebenso auf Betriebstemperatur wie der aufgeladene Vierzylinder mit lediglich 1,8 Liter Hubraum. Während die äußerst direkte Lenkung nach einer festen Hand verlangt, längst aber nicht so viel Kraft wie beim Rangieren benötigt, können sich die elektronischen Fahrhilfen im Race-Modus eine Pause gönnen. Die ausgewogene Verteilung der 895 Kilogramm Leergewicht macht den Mittelmotorsportler berechenbar und gut beherrschbar. Er liegt wie ein Brett in Kurven und die Hinterräder scheinen auf trockener Piste keine Traktionsprobleme zu kennen. Dank des beeindruckenden Leistungsgewichts von 3,85 kg/PS und 350 Nm Drehmoment ab 2.100 Touren beschleunigt der 4C mit Launch Control in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und weiter in Richtung Topspeed 258. Am der Ende der Start-Ziel-Geraden in Oschersleben erreichen wir knapp 200 km/h bevor es in die Eisen geht. Selbst ohne teure Keramik-Scheiben lässt deren Leistung über mehrere Runden hinweg kaum nach und offiziell sind 35 Meter bis zum Stillstand angegeben.