50 Jahre AMG @ 24h Nürburging 2017

31.05.2017 | Christian Sauer | Lifestyle, News, Testrides

Parallel zum spektakulären Langstreckenklassiker feierten wir auf Einladung von Mercedes-Benz den runden Geburtstag von AMG mit Testfahrten nicht minder spektakulärer Museumsstücke und den neuesten Supersportwagen. Außerdem wurde exklusiv der GT3 „Edition 50“ sowie der Antriebsstrang des Hypersportwagens Project One präsentiert.


Während auf der Grand-Prix-Strecke und der Nordschleife des Nürburgrings nach dem Dreifachsieg im letzten Jahr, gingen diesmal fünf AMG GT3 an den Start. Zum Bedauern vieler Fans konnten die selbst die prominenten Piloten à la Bernd Schneider und Maro Engel den grandiosen Erfolg nicht wiederholen. Zwar landete der beste AMG „nur“ auf Platz 5 aber dennoch ist es eine Erfolgsgeschichte, die vor 50 Jahren mit den Gründern Erhard Melcher und Hans Werner Aufrechtrecht beschaulich begann und sich inzwischen zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte entwickelt hat. AMG hat sich dank den legendären Rennwagen und Straßenmodellen zur sportlichen Speerspitze von Mercedes-Benz entwickelt. Auch dank den geschickt konzipierten und konsequent fortgesetzten Kooperationen beispielsweise mit den Speedboats von Cigarette Racing, den Fahrrädern von Rotwild und den Schuhen von Santoni ist es zudem ein vielseitige Lifestyle-Marke geworden, die ihren Enthusiasten auch mit der Private Lounge und dem eigenen Magazin mehr bietet als andere.

Um das große Jubiläum gebührend zu feiern, scheute Mercedes-Benz und deren Sport-Marke unter Regie von Tobias Moers nahezu keine Kosten und Mühen. Wie bereits im letzten Jahr lockte die AMG Fan Base mit einem abwechslungsreichem Programm Fans der Marke mit dem Stern an. Kein anderer Hersteller, der mit Werksunterstützung Rennwagen an den Start brachte, zeigte sich so offen und zugänglich. Im Rahmen der 1.500 Quadratmeter großen Erlebniswelt konnten nicht „nur“ historische Rennwagen aus den letzten Jahrzehnten bewundert werden, bei Boxenstoff-Wettbewerben, Autogramstunden, Live-Interviews und -Übertragungen von der Strecke kam mehr als 24 Stunden lang keine lange Weile auf. Natürlich durften auch die neuesten Straßenmodelle nicht fehlen. In der AMG-Presselounge konnten wir zudem eine sehr kreativ gestaltete Ausstellung mit Erinnerungen an die sagenumwobene Historie sowie mit innovativen Bauteilen der Gegenwart und Zukunft.


Exklusiv und hautnah konnten wir uns einen ersten Eindruck vom Antriebsstrang des neuen Hypercars Project One verschaffen. Der sich neu in der Entwicklung befindende Hybridsportwagen soll neue Standards in Sachen Dynamik und Leistung setzen. Dafür sollen aerodynamische Carbon-Felgen, Pushrod-Federelemente und insgesamt fünf Motoren sorgen. Neben dem lediglich 1,6 Liter kleinen V6-Turbobenziner, der wie andere Bauteile direkt von den Formel-1-Rennwagen mit Stern übernommen wird, unterstützen vier Elektromotoren. Ein einzelner Turbo mit 80 Kilowatt treibt dabei das Verdichterrad an, dass Turbolöcher verhindern soll. Zusätzlich zum aufgeladenem V6-Motor und hier zusätzlich angehängtem 80-kW-Turbo als Verdichter wird das Project One durch zwei zusätzliche Elektromotoren an der Vorderachse zum Allradler. Pro Rad leisten die Elektromodule jeweils weitere 120 kW / 163 PS, die aus dem Stand verfügbar sind. Die Gesamtleistung des Mercedes AMG Project One dürfte somit bei rund 1.200 PS liegen. Die zu erwartende Höchstgeschwindigkeit vermuten wir bei über 370 km/h.

Einzigartig für ein Straßenauto wird auch die gigantische Maximaldrehzahl von bis zu 11.000 Umdrehungen sein. Um die Zulassung in einigen besonders umweltbewussten Ländern zu ermöglichen, schafft der Supersportwagen rein elektrisch eine Strecke von bis zu 25 Kilometern. Das Hochleistungsbatteriepaket liegt flach verbaut hinter der der Vorderachse. Leicht erhöht darüber ein Quader für die hoch komplexe Leistungselektronik. Schalten kann der Pilot mit einem automatisierten Getriebe, das über acht Schaltstufen verfügt. Für ein Doppelkupplungsgetriebe wären Motordrehzahl und Drehmoment deutlich zu hoch gewesen. Nachdem auf der Frankfurter IAA im September erst noch ein seriennahes Conceptcar vorgestellt wird, sollen die ersten Kundenfahrzeuge erst Ende 2018 / Anfang 2019 ausgeliefert werden. Doch schon jetzt gibt es mehr Anfragen als die geplanten 275 Fahrzeuge zum erwarteten Verkaufspreis von 2,8 Millionen Euro. Demnächst soll die „Kunden-Auswahl“ beginnen.

Um sich als markentreuer Stammkunde für einen Project One zu empfehlen, könnte der AMG GT3 Edition 50 nicht besser geeignet sein. Uns präsentierten die Rennfahrer Maximililian Götz und Jan Seyffarth die exklusive Kleinserie, die sich an rennsportbegeisterte Automobilsammler richtet. Mit seinem einzigartigen Farbkonzept, der umfangreichen Sonderausstattung und der strengen Limitierung auf lediglich fünf Exemplare nimmt das Kundensport-Sondermodell eine herausragende Position für Liebhaber und Sammler ein. Der GT3 Edition 50 ist zwar ohne Straßenzulassung für Rennstrecken konzipiert, mit dem Verzicht auf den Restriktor für optimierte Leistung und mit der offenen Performance-Abgasanlage wird er aber nie an Rennen teilnehmen. Das Sammlerstück verfügt auch auf der Beifahrerseite über eine Sitzschale in einer hochfesten Carbon-Sicherheitszelle. Jedes der fünf Fahrzeuge wird mit einer, in Anlehnung an das Fahrzeug individualisierten, Ingenieur Chronograph Sport Edition „50th anniversary of Mercedes-AMG“ von IWC Schaffhausen an seinen Besitzer ausgeliefert. Und wer 500.000 Euro (netto) investiert hat, kann den Mercedes-AMG GT3 Edition 50 direkt am AMG Unternehmenssitz in Affalterbach übernehmen. In der 360 Quadratmeter großen Auslieferungshalle erfolgt eine ausführliche Einführung in die Technik und Bedienung des neuen Fahrzeugs. Auf Wunsch kann der Kunde des AMG GT3 Edition 50 ein persönliches Rennstreckencoaching im Rahmen eines Inbetriebnahme-Events mit dem Fahrzeug erleben.

Kurz vor dem Start des 24-Stunden-Rennens um 15:30 setzte sich eine ganze Flotte historischer und aktueller AMG-Modelle mit atemberaubenden Sound in Bewegung. Das Ziel hieß Nordschleife: Unter dem Jubel der mehr als 200.000 Fans entlang der Strecke präsentierte Mercedes-Benz seine sportlichsten Modelle, von der „Roten Sau“, über den „Hammer“, SLS Black Series bis hin zum GT R. Wer bei „Parade“ an Schrittgeschwindigkeit dachte, wurde positiv enttäuscht. Mit zum Teil über 150 km/h raste die PS-strotzende Kolonne durch die „Grüne Hölle“.

Und wer bei der Parade vor Rennstart noch nicht genug bekommen hatte, konnte die wertvollen Museumsautos und aktuellen Modelle dann während des Rennens auf den Straßen der Eifel ausführen. Leider waren dafür nur zwei Stunden vorgesehen, so dass wir uns für 2 x 2 Wagen entscheiden mussten. Unsere Wahl fiel zum einen auf den 300 CE 6.0 aus dem Jahr 1988, der wegen seinen damals fast unvorstellbaren, 385 PS starken V8 den Spitznamen „The Hammer“ bekam. Es ist ebenso beeindruckend wie überraschend, wie dynamisch und kraftvoll sich der Oldie bewegen lässt. Danach machten wir einen großen Sprung ins Jahr 2008, als der SL 65 Black Series mit seinem 6.0-Liter-V12-Biturbo samt 670 PS und 1.000 Nm Drehmoment einen neuen Leistungsrekord für Mercedes-Straßensportler aufstellte. Seine ungeheuerliche Kraft fordert selbst auf trockenem Asphalt regelmäßig die Traktionskontrolle heraus und die spektakuläre Optik zieht die Blicke auf sich. Das ist natürlich beim SLS Black Series und GT R nicht anders. Hinzu kommen ihre enormen Kurvengeschwindigkeiten und die Handlichkeit, die vor allem „The Beast of Green Hell“ auch seiner Allradlenkung zu verdanken hat. Alle vier Testwagen sind faszinierende Automobile, die wir nur zu gern unser Eigen nennen würden. Wenn wir die Wahl hätten, fiele uns diese für nur einen der Super-AMGs sehr sehr schwer.

Keine Wahl hatten wir bei den Hymer Reisemobilen direkt an der Rennstrecke, die für uns und einige andere Blogger/Onliner am Wochenende das weiter entfernte Hotel ersetzten. Das war auch nicht schlimm, denn mit dem 7,80 Meter langen ML-I bekamen wir nicht nur das größte aller zur Verfügung gestellten Reisemobile, sondern auch ein sehr schön eingerichtetes. Zwar konnten wir uns (noch) kein eigenes Urteil über das Fahrverhalten des vollintegrierten Modells der 3,5-Tonnen-Klasse mit Mercedes-Benz-Chassis machen, aber das umfangreiche Angebot an Komfort- und Sicherheitsfeatures überzeugen bereits im Stand. Hinzu kommen das sehr großzügige Platzangebot samt Fahrrad- und Roller-Garage im Heck sowie die hochwertige Ausstattung. Nicht zufällig wird Hymer oft als „Mercedes-Benz der Reisemobile“ bezeichnet. Vielen Dank auch an das großartige Team des Traditionsherstellers mit Sitz in der Nähe des Bodensees und natürlich ebenfalls an die vielen fleißigen Helfer im Zeichen des Sterns, die bei jedem Mercedes-Event und auch an diesem besonderem Wochenende das Firmenmotto „Das Beste oder Nichts“ leben. Wir freuen uns auf weitere 50 Jahre AMG und vielleicht sind wir dann beim 100. Geburtstag dabei.