3 Fragen an … Rennfahrerlegende Derek Bell

02.09.2013 | Anja Sauer | Lifestyle, News

3 Fragen an Derek Bell Drivers Club Germany

Auch im Rahmen des diesjährigen AvD Oldtimer Grand Prix war der ehemalige Rennfahrer Derek Bell wieder bei Porsche am Start. Drivers Club Germany Redakteurin Anja Sauer hatte die Gelegenheit ein Exklusiv-Interview mit dem sympathischen Briten zu führen.

Drivers Club Germany (DCG): Was ist es für ein Gefühl auf dem Nürburgring bzw. der Nordschleife mit dem Porsche 956 zu fahren?

Derek Bell (D.B.): Es ist sehr speziell. Ich bin seit 1983 oder 1984 auf dem Ring nicht mehr richtig schnell gefahren. Die Strecke ist sehr schwierig mit ihren vielen Buckeln und Kurven. Es ist unmöglich mit einem Prototyp, wie dem 956er über die Nordschleife zu fahren. Es ist einfach brutal. Für so einen Prototypen ist diese Strecke eigentlich zu viel. Auf einer leichteren Strecke wäre der 956 fantastisch. Ich finde es ist aber eine Ehre, mit ihm über die Nordschleife zu cruisen und die Fahrt in vollen Zügen zu genießen. Nach all der langen Zeit – den fast 30 Jahre alten Porsche, indem Stefan Bellof und ich gemeinsam Rennen bestritten haben. Es war eine tolle Zeit mit ihm – diese Fahrt ist Stefan gewidmet.

 

DCG: Sind Sie noch als Test- und oder Rennfahrer aktiv?

D.B.: Ja, klar. Ich arbeite viel auf Rennstrecken um die Autos zu testen. In Amerika und Großbritannien zum Beispiel fahre ich viel für Porsche. Dann arbeite ich noch für Bentley – hier auf der Nordschleife war ich mit dem Continental GT Supersports.

DCG: Dieses Jahr feiert Porsche das 50-jährige Jubiläum des Porsche 911. Haben Sie eine besonders persönliche Erinnerung oder Geschichte mit einem 911er?

D.B.: Oh, das ist eine gute Frage. Mit dem 935er habe ich einige besondere Erinnerungen. Er ist ja ein 911er, nur eben die Rennversion. Ich meine, der ist ein unglaubliches Tier mit 700 PS. Das erste Mal bin ich ihn glaube ich, hier auf dem Ring gefahren. Damals war ich im Team von Max Moritz Racing, der mit zwei Porsche angetreten ist. Der 935 startete in Gruppe 5, das waren die ohne Turbo, aber mit tollem Handling – es machte Spaß, ihn über die Strecke zu heizen. Dann gab es noch den 934er mit einem starken Motor aber keinem guten Handling. Ihn zu fahren, war nicht so einfach. Ich sollte bei den 1000 km beide fahren. Eine Stunde den 935, eine weitere den 934 und so weiter. Das war so anstrengend, weil die Autos so unterschiedlich waren, dass ich mitten im Rennen körperlich so erschöpft war, dass ich zum Paddock ging und alles hingeschmissen habe. „Ich kann nicht mehr!“, sagte ich zum Chef.

Das war jedoch nicht meine beste Geschichte. Sie ist aber wichtig für die folgenden Geschichten mit dem 935er. Ich fuhr ihn viele Rennen in Europa und der ganzen Welt für verschiedene Porsche-Teams. Dabei gibt es für mich keinen Rennwagen, der einen so an seine Grenzen bringt, wie der 935, der wie der Sraßen-911er, den Motor hinter den Hinterrädern hat. Er untersteuert schnell, wenn du mit dem Gas runter gehst und in Schikanen kommt plötzlich das Heck rum und du rutschst nur so von der Strecke.

Mit diesem Auto erlebte ich ein ständiges Auf und Ab. Du musst dich an ihn gewöhnen und selbst wenn du mit ihm klar kommst, brauchst du immer die volle Konzentration. Jedes mal, wenn ich eingestiegen bin, sprach ich mit dem Wagen und sagte: „na wer gewinnt von uns beiden? Du oder ich? Heute bin ich es!“ Dann legte ich den ersten Gang ein und musste ihn immer aufs Neue schlagen – diesen Porsche 935. Und obwohl es immer wieder ein Kampf mit dieser unbändigen Kraft des Autos war, war es eine fantastische Zeit.

Und die heutigen 911er, ja – ich habe den neuen Carrera S. Ich bin überrascht, wie die von Porsche das immer wieder hinbekommen, ihn noch besser zu machen – das ist verblüffend. Das einzige, was mich ein bisschen stört ist, dass er fahrtechnisch immer ein bisschen mehr dem Panamera ähnelt. Ich meine, der Panamera ist ein wunderschöner luxuriöser GT. Aber meiner Meinung nach soll ein 911er ein 911er bleiben – ein Sportwagen!